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Akute Diarrhö

Wenn es nach hinten losgeht

Der Leidensdruck bei Durchfallerkrankungen ist in der Regle groß. »Abwarten und Tee trinken« ist da keine wirkliche Alternative. Auch wenn die akute Diarrhö nach zwei bis drei Tagen häufig spontan zum Stillstand kommt, ist eine symptomatische Behandlung dennoch sinnvoll. Ob eine Selbstmedikation möglich ist, richtet sich nach verschiedenen Faktoren.
Christina Brunner
30.03.2021  08:30 Uhr

Durchfall ist ein Symptom und keine Erkrankung. Häufig sind mehrere pathogenetische Mechanismen an der Entstehung beteiligt. Die Palette reicht von einer unzureichenden Resorption osmotisch wirksamer Stoffe aus dem Darmlumen, einer verstärkten Sekretion von Elektrolyten und Wasser bis hin zu einer gestörten Darmmotilität. Als Auslöser dieser Mechanismen kommen zum Beispiel Infektionen mit Noro- oder Rotaviren, Vergiftungen durch bakteriell belastete Lebensmittel, Lebensmittel-Unverträglichkeiten, Arzneimittelnebenwirkungen oder auch Stress infrage.

Unabhängig von der Ursache entzieht Durchfall dem Körper wichtige Mineralstoffe und täglich mehrere Liter Flüssigkeit. Zum Vergleich: Normalerweise scheiden Gesunde mit dem Stuhl lediglich 100 ml Flüssigkeit aus. Die Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten ist deshalb die wichtigste Maßnahme, besonders für Kinder und Senioren. Bei diesem Personenkreis besteht die akute Gefahr einer Dehydrierung. Für die Flüssigkeitszufuhr stehen standardisierte orale Rehydratationslösungen (wie Oralpädon®, Elotrans® oder Saltadol®) zur Verfügung. Sie enthalten Natrium, Kalium sowie Glucose. Der erwachsene Patient löst nach jedem ungeformten Stuhl ein bis zwei Beutel des portionierten Pulvers in einer definierten Menge Trinkwasser auf. Die Dosierungsempfehlung bei Kleinkindern basiert auf der Flüssigkeitszufuhr von 150 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Für ältere Kinder und Erwachsene gelten Richtwerte von 20 bis 40 ml pro Kilogramm.

Ausschlusskriterien

Im Patientengespräch sollten PTA und Apotheker zunächst klären, ob ein Fall für die Selbstmedikation vorliegt. Säuglinge sollten zum Beispiel nicht in Eigenregie behandelt werden. Auch bei Kindern unter zwei Jahren ist es sinnvoll, auf den Arzt zu verweisen. Das gilt auch für Patienten, die einem schlechten körperliche Gesamteindruck machen oder lethargisch wirken. Der Arzt ist auch die richtige Anlaufstelle für Schwangere, Stillende, betagte Senioren und chronisch Kranke, zum Beispiel mit Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion oder Immunschwäche.

Hat der Patient eine Kundenkarte, ist ein Blick auf die aktuelle Medikation sinnvoll. Sie liefert Hinweise, ob eventuell eine therapiebedingte Diarrhö vorliegt. Die Liste mit Arzneimitteln, die Durchfälle auslösen, ist lang: angeführt von Antibiotika über nicht bestimmungsgemäß angewandte Laxanzien, über Mineralstoffe wie Magnesium bis hin zu Zytostatika. Handelt es sich um verordnete Arzneimittel, ist eine Rücksprache mit dem Arzt notwendig.

Auch die Dauer und die Beschaffenheit des Durchfalls können Ausschlusskriterien sein. Hält die Diarrhö bei Erwachsenen unverändert stark für länger als zwei bis drei Tage an oder ist der Stuhl schleimig-blutig oder teerig schwarz, ist ein Arztbesuch erforderlich. K.-o.-Kriterien für die Selbstmedikation sind auch starke Bauchschmerzen und -krämpfe, Fieber über 39°C sowie starkes und wiederholtes Erbrechen. Wird ein Zusammenhang zwischen einer Auslandsreise in tropische oder subtropische Gebiete und der Diarrhö vermutet, sollte ebenfalls nicht im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Die Inkubationszeiten von Erregern aus tropischen und subtropischen Gebieten sind sehr unterschiedlich, weshalb die Diarrhö auch verzögert einsetzen kann.

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