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Corona-Schnelltests

Wer erhält noch kostenlose Antigentests?

Anstelle einer Corona-Impfung mal eben einen Schnelltest machen und dann ins Konzert? Für die meisten geht das künftig nicht mehr ohne Geld. Was für Apotheken jetzt wichtig ist.
PZ/dpa
11.10.2021  16:00 Uhr

Ohne Impfung wird der Corona-Alltag ab diesem Montag für viele komplizierter – und teurer. Denn Schnelltests, die Nicht-Geimpfte inzwischen häufig für den Zugang zu Restaurants oder Veranstaltungen brauchen, sind künftig nicht mehr für alle gratis. So wurde es mit mehreren Wochen Vorlauf angekündigt und so wird es nun mit Wirkung ab dem 11. Oktober umgesetzt.

Was ändert sich?

Kostenlose Corona-Schnelltests gibt es nicht mehr für die gesamte Bevölkerung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten im August vereinbart, dass das vom Bund seit März finanzierte Angebot mit kostenlosen »Bürgertests« für alle – auch ohne Corona-Symptome – enden soll. Da kostenlose Impfungen möglich sind, sei eine dauerhafte Übernahme der Testkosten durch die Steuerzahler nicht länger nötig, hieß es zur Begründung.

Müssen Apotheken die Tests weiterhin anbieten?

Die Tests bleiben eine freiwillige Leistung der Apotheken, betont die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apotheker in ihrem aktualisierten Leitfaden »Durchführung von Antigentests auf SARS-CoV-2 sowie PCR-Abstrichnahme in Apotheken«, der im geschützten Mitgliederbereich der ABDA-Webseite zu finden ist.

Für wen genau gibt es weiter kostenlose Tests?

Nur noch bestimmte Personengruppen haben einen Anspruch auf kostenlose Corona-Schnelltests. Der Impfstatus ist dabei nicht relevant, auch vollständig gegen Covid-19 Geimpfte oder Genesene können einen Anspruch auf einen kostenfreien Test haben. Grundsätzlich gilt, dass lediglich symptomfreie Personen in Apotheken getestet werden sollen. Für Personen, die Covid-19-Symptome haben, wird in den Handlungsempfehlungen der ABDA ein Arztbesuch empfohlen.

Kontaktpersonen

Für Personen, die Kontakt zu Coronavirus-Infizierten hatten, ist der Antigentest weiterhin kostenfrei. Die zu testenden Personen müssen darlegen, dass sie von einem Arzt als Kontaktperson festgestellt wurden – typischerweise durch eine schriftliche Bestätigung oder indem sie dies anderweitig glaubhaft machen. Der Anspruch besteht zudem, wenn die Statusanzeige »erhöhtes Risiko« in der Corona-Warn-App vorgezeigt wird.

Auch asymptomatische Personen, die in den letzten 14 Tagen in bestimmten Einrichtungen und Unternehmen waren, während dort eine Coronavirus-Infektion festgestellt wurde, haben Anspruch auf einen kostenlosen Test. Dazu gehören Einrichtungen wie Krankenhäuser, Ambulanzen, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, Dialyseeinrichtungen, Tageskliniken oder Entbindungseinrichtungen, ebenso wie Zahn- und Arztpraxen, Rettungsdienste oder Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, in denen medizinische Untersuchungen oder Behandlungen durchgeführt werden. Außerdem werden Kitas, Horte, Schulen, Ferienlager, Pflegeheime für Ältere oder Menschen mit Behinderungen, Pflegedienste sowie Obdachlosenunterkünfte, Flüchtlingseinrichtungen, Justizvollzugsanstalten, aber auch Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation dazugezählt.

Fordern diese Einrichtungen einen Test von Personen, die dort aufgenommen werden sollen oder tätig sind, kann dieser ebenfalls kostenlos durchgeführt werden. Für welche Einrichtungen dies genau gilt, ist in der Anlage 1 des ABDA-Leitfadens gelistet. Personen, die den Test für eine bestimmte Einrichtung benötigen, müssen ihren Anspruch darlegen können, so die ABDA. Bereits aufgenommene Personen, die sich beispielsweise in einem Krankenhaus aufhalten, und Besucher werden von den Einrichtungen selbst getestet. Diese haben demnach keinen Anspruch auf kostenlose Tests von Apotheken

Die bis hierhin genannten Personen dürfen auch Antigentests zur Eigenanwendung unter Aufsicht in der Apotheke durchführen. Allerdings sind nur vor Ort überwachte und durchgeführte Selbsttestungen anerkannt und keine videoüberwachten Testungen.

Personen, die sich nicht impfen lassen können

Die Personen, die sich nicht impfen lassen können, müssen Nachweise mitbringen, um kostenfrei getestet zu werden. Für sie sollen nur Antigentests für professionelle Anwender genutzt werden.

Anspruchsberechtigt sind Kinder und Jugendliche, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, wobei die Gruppe zwischen 12 und 17 Jahren vorerst nur bis zum 31. Dezember 2021 einbezogen wird. Hierfür ist ein amtlicher Lichtbildausweis vorzulegen. Bei Minderjährigen können auch Schülerausweise oder Kinderreisepässe als Nachweis akzeptiert werden.

Schwangere können sich bis zum 31. Dezember 2021 kostenfrei testen lassen. Das ist mit der kürzlich veröffentlichten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu erklären, die inzwischen sowohl Kindern ab 12 Jahren als auch Schwangeren eine Covid-19-Impfung empfiehlt. Weiter können Personen einen kostenlosen Test in der Apotheke bekommen, wenn sie aufgrund einer medizinischen Kontraindikation keine Covid-19-Impfung erhalten. Hier muss ein ärztliches Attest im Original vorliegen.

Studierende und Studienteilnehmer

Auch Studierende erhalten kostenlose Antigentests, wenn sie eine andere Schutzimpfung als die von Moderna, Biontech/Pfizer, Astra-Zeneca oder Janssen erhalten haben (gilt ebenfalls bis zum 31. Dezember 2021). Sie müssen ihren Studentenausweis sowie ihren Impfpass beim Testen vorlegen. In Bayern können sich alle Studierenden kostenlos bis zum 30. November 2021 testen lassen, hat das dortige Gesundheitsministerium beschlossen.

Und: Teilnehmer, die an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Covid-19 teilnehmen oder in den vergangenen drei Monaten teilgenommen haben, sind ebenfalls anspruchsberechtigt. Diese müssen in der Apotheke einen Teilnahmenachweis vorlegen, der von den Studienverantwortlichen ausgestellt werden soll.

Personen, die eine Absonderung beenden

Ein kostenfreier Test in der Apotheke ist außerdem möglich, wenn dieser benötigt wird, um eine Absonderung wegen einer nachgewiesenen Coronavirus-Infektion zu beenden.

Ist ein Covid-19-Antigentest positiv ausgefallen, haben die Betroffenen zudem Anspruch auf eine bestätigende PCR-Diagnostik – egal ob der Test selbst gezahlt oder in Eigenanwendung durchgeführt wurde.

Was müssen Apotheken dokumentieren?

Wie gehabt archivieren Apotheken alle Einverständniserklärungen zur Durchführung der Tests, die personenbezogenen Daten und Rechnungen über die beschafften Tests bis zum 31. Dezember 2024. Hier muss auch der Testgrund notiert werden. Zudem müssen Informationen wie Öffnungszeiten und durchführende Personen je Tag sowie die Anzahl der Tests ebenfalls bis zu diesem Zeitpunkt aufbewahrt werden. Bis zum 31. Dezember 2022 sind die Nachweise der Meldungen an das zuständige Gesundheitsamt der positiven Testergebnisse aufzubewahren.

Was sollen Corona-Tests künftig kosten?

Wie teuer Tests für die Selbstzahler werden, wird sich noch zeigen. Apotheken werden nach Informationen der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) einen Preis zwischen 11,50 und 30 Euro je Schnelltest ansetzen. Zuletzt gingen Angebot und Nachfrage auch wegen immer mehr Impfungen zurück. So waren auf einem Info-Portal zeitweise 6000 Apotheken zu finden, die Tests anbieten – inzwischen sind es noch 4400.

Die ABDA hat vorgeschlagen, Testangebote in Praxen und Apotheken zu bündeln. Denn wegen des Raum- und Personalaufwands sei das Angebot nur zu akzeptablen Kosten möglich, wenn auch genügend Tests nachgefragt würden.

Für durchgeführte Point-of-Care-Antigenschnelltests, die in der Testverordnung geregelt sind und erstattet werden, erhalten Apotheken weiterhin 8 Euro pro Abstrich und zusätzlich eine Pauschale von 3,50 Euro für die Erstattung der Sachkosten. Bei der Überwachung von Antigentests zur Eigenanwendung gibt es weiter 5 Euro je Testung zuzüglich 3,50 Euro pauschale Erstattung der Sachkosten. Auch die Abrechnung der Testkosten für Personen, die nach der Testverordnung Anspruch auf Coronavirus-Schnelltests haben, ändert sich nicht. Apotheken rechnen die Testkosten wie gehabt einmal monatlich über die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung (KV) ab.

Welche Argumente gegen kostenpflichtige Tests gibt es?

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen warnt, die Umstellung komme zu früh. »Ohne Gratistests werden wir weniger Testergebnisse bekommen, mehr Infektionen werden unerkannt bleiben«, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. »Wir laufen in eine Schattenpandemie.« Statt kostenlose Tests zu streichen, sollten sie mit der Impfkampagne verknüpft werden. »Wer eine Impfberatung annimmt, sollte im Gegenzug einen Gratistest bekommen.« So oder so sind für den Bund erhebliche Kosten zusammengekommen. Allein seit Beginn einer separaten Erfassung der »Bürgertests« durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung Anfang Juli wurde mehr als eine halbe Milliarde Euro dafür abgerechnet.

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