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Labordiagnostik

Wichtige Blutwerte im Überblick

Blutwerte geben Hinweise darauf, wie gesund der Körper ist und können helfen, Krankheiten oder Fehlfunktionen von Organen aufzuspüren. Auch für die Beratungspraxis in der Apotheke kann es nützlich sein, verschiedene Werte und  deren Zusammenspiel zu kennen.
Michelle Haß
14.06.2019
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C-reaktives Protein (CRP)

Referenzwert: < 5 mg/dl

CRP ist an der unspezifischen Immunantwort beteiligt. Es bindet bakterielle Antigene, Pilze und Parasiten und aktiviert dadurch sowohl die zelluläre als auch humorale Infektabwehr. Bei bakteriellen und viralen Infektionskrankheiten ist der Wert daher erhöht. Aber auch entzündliche Stimuli (rheumatische Erkrankungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen) induzieren einen CRP-Anstieg. Unter antiinflammatorischer und immunsuppressiver Therapie (Glucocorticoide) ist dieser Anstieg häufig verringert.

Bilirubin (BILI)

Referenzwert: < 1,2 mg/dl (Gesamt-Bilirubin)

BILI entsteht beim Abbau des Hämoglobin-Grundgerüsts. Man unterscheidet zwischen indirektem wasserunlöslichen BILI und der direkten wasserlöslichen Form, welche nach Metabolisierung in der Leber vorliegt. Die Interpretation eines Anstiegs ist nur in Kombination mit anderen Laborparametern sinnvoll, da er unterschiedliche Ursachen wie Hämolyse (prähepatisch), hepatische Defekte oder Erkrankungen der Galle beziehungsweise Gallenwege (posthepatisch) haben kann.

(kardiale) Troponine: Troponin T (cTNT) und Troponin I (cTNI)

Referenzwert: < 0,05 µg/l

Troponine sind Proteine des kontraktilen Apparates des Herzens. Bei Schädigung des Herzmuskelgewebes aufgrund eines Herzinfarktes oder einer Myokarditis werden sie ins Blut ausgeschwemmt. cTNT und cTNI gelten als hochsensitive Parameter und zählen zu den aussagekräftigsten Laborparametern in der Myokardinfarkt-Diagnose.

Creatinin (CREA)

Referenzwert (Plasma): ♂: < 1,36 mg/dl, ♀: < 1,17 mg/dl

CREA ist ein Stoffwechselprodukt des Muskels. Da es fast vollständig über die Niere ausgeschieden wird, korreliert der Serumcreatininspiegel mit der glomerulären Filtrationsrate (GFR). Jedoch steigt das Serum-Creatinin erst an, wenn die GFR bereits um mehr als die Hälfte gesunken ist. Daher verwendet man in der Praxis zur Feststellung der Nierenleistung häufig andere aussagekräftige Parameter.

Creatinkinase (CK)

Referenzwert: ♂: < 190 U/l, ♀: < 170 U/l

Die CK ist in verschiedenen energieverbrauchenden Zellen zu finden und je nach Vorkommen unterscheidet man drei Isoenzyme: im Skelettmuskel (CK-MM), im Herzmuskel (CK-MB) und im Gehirn (CK-BB). Diagnostisch werden sie bei Verdacht auf Skelettmuskel- oder Herzerkrankungen genutzt. Die CK-MB spielt in der Myokardinfarkt-Diagnostik eine entscheidende Rolle, da bei einer Schädigung von Herzmuskelgewebe die Werte noch vor den Troponinen ansteigen. Sie sind daher in der Frühphase eines Infarktes von Bedeutung.

Harnsäure (HS)

Referenzbereich: ♂: 3,6 – 8,2 mg/dl, ♀: 2,3 – 6,1 mg/dl

HS ist das Endprodukt des Purin-Stoffwechsels und entsteht beim Abbau von DNA-Bausteinen (Nukleinsäuren). Sie wird überwiegend renal eliminiert. Erhöhte Harnsäurewerte können zur Ausfällung von Urat-Kristallen in den Gelenken führen, was sich klinisch in einem Gichtanfall äußert. Ursachen für hohe Harnsäurewerte können ein vermehrter Abbau von DNA zum Beispiel durch eine Zytostatika-Therapie sein oder eine verminderte Ausscheidung aufgrund einer Niereninsuffizienz.

Myoglobin (MYO)

Referenzwert: ♂: < 55 µg/l, ♀: < 35 µg/l

MYO ist für den Sauerstofftransport innerhalb der Muskelzellen zuständig. Im Falle einer Schädigung von Myozyten, zum Beispiel durch Traumen oder Herzinfarkt, steigen die Werte im Blut an. Daher verwendete man MYO früher in der Herzinfarkt-Diagnostik. Inzwischen wurde es dort aber durch die hochsensitiven kardialen Troponine abgelöst. MYO ist heute vor allem in der Sportmedizin von Bedeutung.

B-Type Natriuretic peptide (BNP)

Referenzwert: < 100 pg/ml

BNP ist ein Peptidhormon, das bei Vorhofdehnung aus ventrikulären Herzmuskelzellen ins Blut abgegeben wird. Es wirkt an der Herz-Kreislaufregulation mit und steigert die Natriurese (vermehrte renale Natriumausscheidung). Es wird auch als physiologischer Gegenspieler des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) bezeichnet.

Bei einer bestehenden Herzinsuffizienz sind die Werte erhöht und geben Aufschluss über die Schwere der Erkrankung. In der Praxis stellt die Bestimmung eine Alternative zur aufwendigen bildgebenden Diagnostik dar und wird neben der Diagnosestellung auch zum Therapiemonitoring eingesetzt.

Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH)

Referenzbereich: 0,27 – 4,2 µlU/ml

TSH ist ein Peptidhormon und steuert die Hormonproduktion der Schilddrüse. In einem komplexen Regelkreis stimuliert das hypothalamische Thyreoglobulin (TG) die TSH-Sekretion, wohingegen die Schilddrüsenhormone (T3 und T4) negativ rückkoppeln. Unauffällige TSH-Werte schließen eine Schilddrüsenerkrankung nahezu aus. Bei einer Hypothyreose ist TSH meist erhöht, bei einer Hyperthyreose erniedrigt. Bei auffälligen Werten ist eine alleinige Betrachtung jedoch nicht ausreichend und bedarf immer eine Bewertung in Kombination mit anderen Parametern wie TG, fT3 und fT4.

Freies Thyroxin (fT4) und freies Trijodthyronin (fT3)

Referenzbereich: fT3: 2,2 – 4,7 pg/ml, fT4: 0,73 - 1,95 ng/dl

Die Schilddrüsenhormone T4 und T3 regulieren die Stoffwechselaktivität des Organismus. T4 wird unter TSH-Einfluss gebildet und ins Blut sezerniert. Durch Dejodierung entsteht das sehr viel stärker bioaktive T3. Im Blut sind beide Hormone zum größten Teil an Transportproteine gebunden, biologisch wirksam sind sie jedoch nur in freier Form. Erhöhte Werte deuten auf eine Hyperthyreose und erniedrigte Werte auf eine Hypothyreose hin. Je nach Fragestellung müssen die Werte im Zusammenhang mit anderen Parametern interpretiert werden.

Alanin-Aminotransferase (ALAT , ALT)

Synonym: Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT)

Referenzwert: ♂: < 50 U/l, ♀: < 35 U/l

Das Enzym ALAT ist überwiegend im Zytosol der Leberzellen lokalisiert, kommt aber auch in Skelettmuskeln vor. Erhöhte Werte deuten auf eine Zerstörung von Leberzellen hin. Die Höhe der ALAT-Konzentration korreliert in der Regel mit der Zahl zerstörter Zellen. Aufgrund der kurzen Halbwertszeit des Enzyms (ca. 47 Stunden) eignet sich die ALAT zur Verlaufskontrolle von Leberschäden zum Beispiel durch Vergiftungen.

Aspartat-Aminotransferase (ASAT, AST)

Synonym: Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT)

Referenzwert: ♂: < 50 U/l, ♀: < 35 U/l

Die ASAT ist in einer Vielzahl von Geweben, vorwiegend in den Mitochondrien, zu finden. Die Beurteilung des Wertes erfolgt immer in Kombination mit ALAT-Werten über den De-Ritis-Quotient (Verhältnis ASAT/ALAT). Ein überproportional erhöhter Anstieg von ASAT gegenüber ALAT (De-Ritis-Quotient > 1) deutet auf eine irreversible Leberzellschädigung hin. Auch nach einem Myokardinfarkt steigt der ASAT-Wert an.

Glutamat-Dehydrogenase (GLDH)

Referenzwert: ♂: < 4 U/l, ♀: < 3 U/l

Die GLDH ist als mitochondriales Enzym in allen Geweben vorhanden. Eine Erhöhung des Wertes im Blut ist jedoch nur beim Untergang von Leberzellen messbar. Der Wert eignet sich zur Prognoseabschätzung bei einer schweren und akuten Leberzellschädigung.

Gamma-Glutamyltransferase (γ-GT, GGT)

Referenzwert: ♂: < 60 U/l, ♀: < 40 U/l

Die GGT ist ein membranständiges Enzym in der Leber, ist aber auch in anderen Organen wie Niere und dem Pankreas vorhanden. Differentialdiagnostisch spielt es bei der Beurteilung von Leber- und Gallenwegserkrankungen eine Rolle. Einige Wirkstoffe (Thyreostatika, Phenytoin) sowie Alkohol können aufgrund einer Enzyminduktion die Werte erhöhen.

Alkalische Phosphatase (AP)

Referenzwert: ♂: 40-130 U/l, ♀: 35-105 U/l

Verschiedene Isoformen der AP werden in unterschiedlichen Geweben (Knochen, Leber, Plazenta) exprimiert. Knochenfrakturen sowie Leber- und Gallenwegserkrankungen erhöhen die Werte der AP. Bei Kindern und bei Schwangeren im dritten Trimenon sind die Werte physiologisch erhöht.

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