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Eine Phase der Umstellung

Wichtige Tipps für das Wochenbett

Bereits während einer Schwangerschaft vollbringt der Körper Höchstleistungen. Das Wochenbett nach der Geburt ist dann geprägt von Wundheilungsprozessen und Rückbildungsvorgängen, dem Start der Milchbildung und dem Einfinden in die Stillbeziehung.
Carina Steyer
23.03.2020  09:05 Uhr

Offiziell beginnt das Wochenbett mit der Geburt der Plazenta und endet sechs bis acht Wochen später. In dieser Zeit müssen Gebärmutter, Harnblase und Darm zu ihrem ursprünglichen Platz zurückfinden. Wie enorm diese Umstellung ist, wird am Beispiel der Gebärmutter deutlich: Am Ende der Schwangerschaft reicht sie bis knapp unter das Brustbein und wiegt rund 1 Kilogramm. Schon kurz nach der Geburt ist der höchste Punkt nur mehr zwischen Nabel und Schambein tastbar. Am Ende des Wochenbettes hat sie ihre ursprüngliche Größe von etwa 7 cm und das Ausgangsgewicht von 50 bis 70 g wieder erreicht. Die Rückbildung der Gebärmutter wird durch regelmäßiges Stillen und den damit verbundenen Ausstoß von Oxytocin unterstützt. Spürbar wird dies durch Nachwehen, die insbesondere bei Mehrgebärenden schmerzhaft sein können.

Wochenfluss aufmerksam beobachten

Ein durchaus unangenehmer, aber notwendiger Begleiter des Wochenbettes ist der Wochenfluss (Lochien). Das Sekret stammt aus der Wunde, die nach dem Ablösen der Plazenta in der Gebärmutterschleimhaut zurückbleibt. In den ersten drei bis sieben Tagen nach der Geburt ist der Wochenfluss so stark, dass normale Damenbinden nicht ausreichen. Besser geeignet sind spezielle Vorlagen für Wöchnerinnen. Auf Tampons sollte wegen der Infektionsgefahr im Wochenbett grundsätzlich verzichtet werden. Auch wenn der Wochenfluss kein hochinfektiöses Sekret ist, finden sich in ihm Keime aus der Scheidenflora. Auch gründliches Händewaschen nach dem Wechsel der Vorlagen ist deshalb empfehlenswert, insbesondere vor dem Stillen.

Mit Fortschreiten des Wochenbettes verliert der Wochenfluss an Stärke und ändert sich in der Farbe. Von anfänglich blutig-rot, wechselt er zu braunrot, wird dann gelblich und schließlich weißlich. Aufmerksam sollten Frauen werden, wenn es, nachdem der Wochenfluss bereits weniger geworden ist, noch einmal zu stärkeren Blutungen kommt. Manchmal sind sie einfach nur die Folge von zu viel körperlicher Aktivität und ein Zeichen, sich mehr zu schonen. Sie können aber auch auf zurückgebliebene Plazentareste hindeuten. Da diese nur im Ultraschall erkennbar sind, sollten ungewöhnlich starke Blutungen ab der zweiten Woche nach der Geburt ärztlich abgeklärt werden.

Stoppt der Wochenfluss abrupt, kann es sich um einen Wochenflussstau handeln. Dieser wird häufig durch ein Koagel (verklumptes Blut) im Gebärmutterhals verursacht. Frauen können zunächst versuchen, den Wochenfluss durch einfache Selbsthilfemaßnahmen wieder anzuregen. Hebammen empfehlen, sich immer wieder mal auf den Bauch zu legen. Die Bauchlage regt die Gebärmutter an, sich zusammenzuziehen. Nach einer Spontangeburt kann der Effekt mit einem zusammengerollten Handtuch zwischen Schambein und Bauchnabel verstärkt werden. Auch Wärme, Massagen oder ein Tee aus Frauenmantel, Hirtentäschelkraut und Schafgarbe können helfen, den Wochenfluss wieder in Gang zu bringen.

Bleibt der Wochenfluss weiterhin aus und kommen Fieber, Unterbauchschmerzen oder Stirnkopfschmerzen hinzu, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Gabe von Oxytocin kann dann die Gebärmutter anregen, sich wieder zusammenzuziehen. Ein krampflösendes Medikament entspannt zusätzlich den Muttermund. Sollte sich bereits eine Infektion entwickelt haben, wird die Behandlung um Antibiotika ergänzt.

Viel liegen

Die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft sorgt dafür, dass das Gewebe lockerer wird, an Spannkraft verliert und dem wachsenden Baby Platz macht. Eine besondere Belastung bedeutet das für den Beckenboden. Auf ihm ruht nicht nur das zusätzliche Gewicht von Baby und Gebärmutter, bei einer Spontangeburt wird er zusätzlich stark überdehnt. Um den Beckenboden nicht weiter zu schwächen, steht im Wochenbett zunächst einmal gezieltes Entlasten im Vordergrund. Wöchnerinnen sollten zum Beispiel darauf achten, vom Liegen aus über die Seite aufzustehen, nicht schwer zu tragen und Verstopfung vorzubeugen. Hebammen raten, den Begriff Wochenbett durchaus wörtlich zu nehmen und so viel Zeit wie möglich im Liegen zu verbringen.

Mit gezielter Rückbildungsgymnastik kann etwa sechs Wochen nach einer Spontangeburt beziehungsweise acht bis zehn Wochen nach einem Kaiserschnitt begonnen werden. In vielen Geburtskliniken und Hebammenpraxen werden Rückbildungskurse angeboten. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse. Frauen, die es nicht schaffen, einen Kurs zu besuchen, können auch zu Hause üben. Es gibt Online-Kurse und eine große Auswahl an DVDs und Büchern.

Kaum eine Geburt verläuft ohne Geburtsverletzungen. Blutergüsse, Abschürfungen oder kleine Einrisse in der Scheide. Ein Dammriss oder -schnitt verursacht Schmerzen oder ein unangenehmes Druckgefühl. Linderung kann durch Kühlen erreicht werden. Geeignet sind fertige Coolpacks oder Damenbinden, die mit Oliven- oder Weizenkeimöl getränkt und eingefroren werden. Oberflächliche Rissverletzungen verheilen meist innerhalb weniger Tage, ein Dammriss oder -schnitt ist etwa vier bis sechs Wochen später vollständig verheilt. Die Wundheilung kann durch möglichst viel Liegen und wenig Sitzen unterstützt werden. Auch Sitzbäder etwa mit Tannolact®, Frauenmantel, Scharfgarbe oder Ringelblume fördern die Heilung. Unabhängig von der Schwere der Verletzung kommt es während des Wasserlassens häufig zu unangenehmem Brennen. Abhilfe schafft, beim Toilettengang klares Wasser über den Intimbereich laufen zu lassen.

Stillprobleme lösen

Wunde Brustwarzen, abgeschürfte Haut oder offene, blutende Rhagaden gehören zu den häufigsten Stillproblemen im Wochenbett. Ursache ist meist eine nicht optimale Anlege- oder Saugtechnik des Babys. Beides kann mit etwas Hilfe durch eine Hebamme oder Stillberaterin schnell korrigiert werden.  Solange die Brustwarzen wund sind, ist das Stillen extrem schmerzhaft. Das kann sich negativ auf die Stillbeziehung auswirken. Das Abheilen der Brustwarzen kann aber durch einfache Maßnahmen gut unterstützt werden (siehe Kasten). So können auch Stillhütchen aus Silikon während des Stillvorgangs angelegt werden, das entlastet die Brustwarzen

Druckempfindliche Stellen, eine schmerzhafte Schwellung, rote Flecken sowie eine warme oder heiße Brust sind Anzeichen für einen Milchstau. Stillberaterinnen empfehlen nun, das Baby mit dem Unterkiefer in Richtung des Staus anzulegen. Das kann durchaus zur Herausforderung werden, da besonders häufig die äußeren Quadranten betroffen sind. Hilfreich ist auch sanftes Ausstreichen der verhärteten Stellen sowie kühlende Umschläge mit Coolpacks oder Quark. Wärme durch ein Kirschkernsäckchen oder einen Waschlappen vor dem Stillen lässt die Milch besser fließen. Gelangen über verletzte Brustwarzen Keime aus dem Nasen-Rachen-Raum des Neugeborenen in die Lymphwege der Brustdrüse, kann sich aus einem Milchstau eine Brustentzündung entwickeln. Zu den Symptomen des Milchstaus kommen dann noch Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit hinzu. Eine Brustentzündung ist Anlass, den Hausarzt oder Gynäkologen aufzusuchen. Dieser wird dann eine antibiotische Therapie einleiten.

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