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Impfen gegen Corona

Wie das Eindämmen der Pandemie gelingen könnte

Alle Hoffnungen, dem Coronavirus Herr zu werden, richten sich zurzeit auf die Impfstoffe. Zwischen 70 und 90 Prozent oder mehr Schutz vor einer Erkrankung an Covid-19 sollen die aktuell vor der Zulassung stehenden Corona-Impfstoffkandidaten bieten. Doch wie lange bleibt dieser Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 nach einer Impfung bestehen? Und wie viele Menschen müssten sich impfen lassen, um die notwendige Herdenimmunität zu erreichen?
dpa/Katja Egermeier
30.11.2020  15:15 Uhr

Sichere Voraussagen zur Immunität nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 oder nach einer Impfung zu machen, ist naturgemäß schwierig, da dieses neuartige Coronavirus erst rund ein Jahr beim Menschen vorkommt. Doch einer kürzlich veröffentlichten Studie des kalifornischen La-Jolla-Instituts für Immunologie zufolge sind bei infizierten Menschen zwei der zentralen Waffen unseres Immunsystems zumindest fünf Monate nach dem Einsetzen der Symptome einer SARS-Cov-2 Infektion noch nachweisbar: Antikörper und T-Zellen. Und das selbst bei Verläufen mit milder Symptomatik. 

Auch wenn diese Studie als sogenanntes Preprint veröffentlicht und bislang noch nicht von unabhängigen Experten begutachtet worden ist, ist sie mit Blick auf die mehrarmige Reaktionsweise unseres Immunsystems für Thomas Jacobs vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin ermutigend.

Sterile versus klinische Immunität

So gebe es in dieser Studie die sogenannte sterile Immunität, die von einer hohen Zahl neutralisierender Antikörper abhänge. Wenn der Körper davon viele habe, werde ein Virus abgefangen, bevor es in Zellen eindringen könne. Entsprechende Impfstoffe würden wahrscheinlich sogar noch eine bessere Antikörper-Antwort hervorrufen als eine natürliche Infektion. Solange es genügend Antikörper gebe könne man von einer robusten, wenn nicht sogar sterilen Immunität ausgehen, so Jacobs.

Zudem sei auch die T-Zell-Antwort über mehrere Monate nachweisbar gewesen. Das lasse erwarten, dass sich die Symptomatik einer Covid-19-Erkrankung verringert, sagt Jacobs. Eine solche klinische Immunität würde dafür sorgen, dass Erkrankte beispielsweise nur Erkältungssymptome wie bei harmloseren Coronaviren bekämen. Von einer sterilen lebenslangen Schutzwirkung durch die Impfstoffe könne dagegen nicht ausgegangen werden.

Eine andere Studiengruppe hatte kürzlich berichtet, dass die T-Zellen noch sechs Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion nachweisbar sind. »Das sind vielversprechende Neuigkeiten: Wenn eine natürliche Infektion mit dem Virus eine robuste T-Zell-Antwort hervorrufen kann, bedeutet dies möglicherweise, dass ein Impfstoff dasselbe tun könnte«, kommentiert Fiona Watt, geschäftsführende Vorsitzende des britischen Medical Research Council, in einem Artikel des Fachjournals »The BMJ«.

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