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Corona-Übertragung

Wie gefährlich sind Aerosole wirklich?

Auch Laien wissen mittlerweile dank Corona, was Aerosole sind. Doch spielen sie bei der Übertragung von SARS-CoV-2 wirklich eine so wichtige Rolle? Wissenschaftler diskutieren kontrovers darüber. Nur in einem Punkt sind sich alle einig.
dpa
05.08.2020  09:00 Uhr

Virushaltige Partikel in der Luft, sogenannte Aerosole, spielen bei der Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 eine Rolle – das ist inzwischen gängige Lehrmeinung. Doch wie groß diese Rolle ist, dazu gibt es in der Fachwelt unterschiedliche Ansichten.

Einig sind sich die Forscher darin, dass vor allem in geschlossenen Räumen die Ansteckungsgefahr am größten ist. Mitte Juli veröffentlichten Forscher um Michael Klompas von der Harvard Medical Schoolim Fachjournal »JAMA« eine Analyse, in der sie zu dem Schluss kommen, dass die Virusübertragung mittels Aerosolen nicht der dominante Weg der Verbreitung sein könne. Zum Beleg führen sie einen Vergleich an: Bei anderen Krankheiten wie Masern, von denen man weiß, dass sie über Aerosole verbreitet werden, stecke ein Infizierter viel mehr Personen an als bei SARS-CoV-2. Die Reproduktionszahl sei kleiner und eher mit der von üblichen Grippeviren vergleichbar.

Die Forscher mahnen an, auch andere mögliche Übertragungswege wie Schmierinfektionen nicht außer Acht zu lassen. Wenn Aerosole der Hauptübertragungsweg wären, so die Forscher, reichten Regeln wie zwei Meter Abstand oder die Maskenpflicht nicht aus, um Ansteckungen zu vermeiden. Denn anders als dicke Tropfen Schleim oder Speichel sinken die Mini-Teilchen nicht recht schnell zu Boden und sie durchdringen sogar medizinische Masken.

Der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Dr. Gerhard Scheuch, weist aber darauf hin, das gerade die sehr kleinen Teilchen von unter 5 Mikrometern stundenlang in der Luft schweben – und dann eingeatmet werden könnten. Nur in der Nase und in der Lunge befänden sich sogenannte ACE2-Rezeptoren, die es den Viren ermöglichen in menschliche Zellen einzudringen und sich zu vermehren, erläuterte Scheuch in Gemünden (Wohra) der Nachrichtenagentur dpa. »Durch anschließendes Niesen gelangen die Viren wieder in die Luft.« Er zählt sich zu einer Reihe von Wissenschaftlern, die die Ansteckung über Aerosole sogar für den wichtigsten Infektionsweg halten.

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