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Dampfen in Deutschland

Wie gefährlich sind E-Zigaretten wirklich?

In den USA leiden immer mehr Raucher von E-Zigaretten an einer mysteriösen Lungenkrankheit – die Ursache ist noch unklar. Mehr als 900 Fälle sind inzwischen gemeldet geworden, darunter acht Todesfälle. Die Betroffenen in den USA rauchten in den meisten Fällen THC, mit und ohne Nikotin.
dpa/PTA-Forum
23.09.2019  15:00 Uhr

Hierzulande ist bislang noch kein Anstieg von Lungenschädigungen bekannt geworden. In Deutschland werden die Zusammensetzungen der Wirkstoffe strenger reguliert. Dennoch lohnt sich ein Blick auf das Dampfen in Deutschland.

Wie funktionieren E-Zigaretten?

Bei einer E-Zigarette wird eine aromatisierte Flüssigkeit, die auch Liquid genannt wird, erhitzt. Der Nutzer inhaliert das sogenannte Aerosol, das aus winzigen Partikeln besteht. Gängige E-Zigaretten arbeiten mit einem akkubetriebenen Verdampfer. Dessen Design unterscheidet sich je nach Hersteller. Das Liquid wird ebenfalls auf verschiedene Weise zugeführt: Manche Modelle haben etwa aufsteckbare Behälter, andere funktionieren mit nachfüllbaren Tanks.

Woraus bestehen die Liquids?

Die meisten in Deutschland konsumierten Liquids enthalten Nikotin und fallen unter die Tabakerzeugnisverordnung. Danach müssen alle Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils auf der Packung aufgelistet werden. Die Haupt-Bestandteile der nikotinhaltigen Liquids sind das wasserbindende Propylenglykol und/oder der Zucker-Alkohol Glyzerin sowie Aromen und eben Nikotin.

In Deutschland dürfen nicht mehr als 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter Liquid enthalten sein. Auch darf der Nachfüllbehälter für das Liquid darf ein Volumen von zehn Millilitern nicht überschreiten.

Nikotinfreie Liquids fallen nicht unter die tabakrechtlichen Vorschriften. Sie dürfen aber – wie nikotinhaltige – nicht an Minderjährige verkauft werden. So schreibt es das Jugendschutzgesetz vor.

Wie gesundheitsschädlich sind E-Zigaretten?

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) schreibt in einem Faktenblatt Ende 2018: »Im Vergleich zu Tabakzigaretten sind E-Zigaretten zwar sehr wahrscheinlich deutlich weniger schädlich, dennoch sind sie keine harmlosen Life-Style-Produkte.« Wegen der unbekannten langfristigen Auswirkungen sollten Nichtraucher E-Zigaretten nicht verwenden, so das DKFZ.

Welche Inhaltsstoffe sind in Deutschland verboten?

Die Tabakzeugnisverordnung listet eine Reihe von verbotenen Stoffen auf, etwa solche mit aufputschender Wirkung wie Koffein oder Taurin. Unter den verbotenen pflanzlichen Stoffen sind beispielsweise Bittermandelöl und Extrakte der Poleyminze zu finden. Das ätherische Öl dieser Minz-Art besteht zu einem hohen Anteil aus dem Stoff Pulegon.

Diesen möglicherweise krebserregenden Geschmacksstoff haben Forscher in E-Zigaretten in den USA »in besorgniserregend hoher Konzentration« entdeckt. Als Geschmackszusatzstoff in Lebensmitteln habe die zuständige US-amerikanische Behörde Pulegon bereits im vergangenen Jahr verboten, für E-Zigaretten und Kautabak sei die Chemikalie jedoch in den USA nicht reguliert, schreiben die Forscher.

Wo werden die Liquids hergestellt?

Rund die Hälfte der in Deutschland erhältlichen Liquids werde auch in Deutschland produziert, so der Verband des E-Zigarettenhandels. Von den restlichen 50 Prozent stamme ein großer Teil aus europäischen Ländern – aber auch aus den USA. »Die amerikanischen Firmen sind recht aktiv in Europa, um ihre Produkte zu vermarkten«, sagt der Vorsitzende des Verbands, Michal Dobrajc. Alle angebotenen Produkte müssten jedoch den hier geltenden Vorschriften entsprechen.

Was sind die Unterschiede zu den USA?

E-Zigaretten sind in den USA deutlich weniger beschränkt als in Deutschland. Einige Bereiche sind kaum reguliert, andere wiederum von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich geregelt.

Zum einen gibt es keine einheitliche Obergrenze beim Nikotingehalt. In den USA kann man Produkte mit doppelt bis dreimal so viel Nikotin wie in Deutschland erhalten. Das macht einen großen Unterschied bezogen auf die Wirkung und das Potenzial, abhängig zu werden. Zudem ist in den USA kein bundesweites Mindestalter festgelegt. Dort können in manchen Bundesstaaten auch Jugendliche E-Zigaretten kaufen.

In den US-amerikanischen Bundesstaaten, in denen Cannabis freigegeben ist, dürfen auch Liquids vertrieben werden, die THC enthalten. Der psychoaktiven Substanz wird hauptsächlich die berauschende Wirkung von Cannabis zugeschrieben.

In Deutschland sind THC-haltige Liquids verboten, da THC unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Inwieweit trotz des Verbotes solche Liquids in Verkehr gebracht werden, ist nicht klar. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) teilte auf Anfrage mit, ihm lägen keine Informationen darüber vor.

Welche Kontrollen gibt es für die Liquids in Deutschland?

Die Kontrollen finden auf verschiedenen Ebenen statt. Bevor ein Liquid verkauft werden darf, muss es angemeldet werden. Der Anbieter übermittelt dafür der EU mindestens sechs Monate vor Verkaufsstart verschiedene Informationen, darunter die Rezeptur des neuen Liquids und die Ergebnisse eines Emissionstests. Allerdings: Es werde nicht jede Mitteilung, sondern stichprobenartig kontrolliert, erklärt das BVL. Die Kontrolle der E-Zigaretten-Händler ist Sache der Ordnungsämter.

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