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Wechselwirkungen

Wie Hitze die Arzneimitteltherapie beeinflusst

Problematisch sei zudem eine hitzebedingte Austrocknung (Exsikkose) und damit einhergehende Nierenschwäche, da bestimmte Wirkstoffe sich dadurch im Körper anreicherten und überdosiert würden. Das gelte unter anderem für Diuretika und bestimmte Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac) und Opioide (zum Beispiel Morphin, Hydromorphon).

Hinsichtlich der Einnahme von Schmerzmitteln ergänzt Kuch: »Auch diese bergen zum Teil erhebliche Gefährdungen unter entsprechenden Temperaturbedingungen, insbesondere ist hier vor transdermal verabreichten Opiaten zu warnen.« Bei transdermalen Systemen könne es bei Hitze zu einer verstärkten Wirkstofffreisetzung kommen. Warnsymptome einer Opioid-Überdosierung sind kognitive Probleme und eine verlangsamte Atmung (Atemdepression).

Bei Diuretika könne es neben dem verstärkten blutdrucksenkenden Effekt zu Elektrolytentgleisungen kommen (zum Beispiel Hyper- oder Hypokaliämie) – mit teils schwerwiegenden Folgen wie Herzrhythmusstörungen oder plötzlichem Herztod. Gefährdet seien insbesondere Herzinsuffizienz-Patienten, die meist mehrere Wirkstoffe einnehmen, darunter häufig Diuretika und Antiarrhythmika. Bei Letzteren sei ohnehin eine besondere Überwachung erforderlich, um die QT-Zeit, Nierenfunktion und den Elektrolythaushalt im Blick zu behalten.

Bei insulinpflichtigen Diabetikern sei zu beachten, dass starkes Schwitzen und eine veränderte Hautspannung die Resorption von Insulin beeinflussen können. Ein rascheres Anfluten bedeute eine erhöhte Hypoglykämiegefahr. Diabetiker gehören laut Kuch »per se zur Risikogruppe« während Hitzeperioden.

Lösungsvorschlag Warn-App

Als ergänzende Strategie schlägt Kuch eine Warn-App mit Ampelsystem vor. Bei hohen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit oder fehlender Nachtabkühlung könne die App eine Warnung ausgeben und anzeigen, welche Hitzeschutzmaßnahmen sinnvoll sind. Es sei zudem vorstellbar, dass die App kritische Medikamente abfragt und bei Bedarf an den behandelnden Arzt verweist. Dieser könne dann prüfen, ob und in welcher Dosierung der Patient die Einnahme der kritischen Medikamente fortsetzen soll.

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