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Multiple Sklerose

Wie Milch MS-Symptome verstärken kann

Woran könnte es liegen, dass Menschen mit Multipler Sklerose nach dem Genuss von Milchprodukten oft Krankheitssymptome verspüren? Wissenschaftler haben einen möglichen Grund dafür gefunden.
Annette Immel-Sehr
16.03.2022  14:00 Uhr

Menschen mit Multipler Sklerose (MS) haben nach dem Verzehr von Milchprodukten oft stärkere Krankheitsbeschwerden. Forschende der Universitäten Bonn und Erlangen-Nürnberg sind der Sache nun auf den Grund gegangen: Ein Protein der Kuhmilch, das Casein, kann Entzündungen gegen Myelinscheiden auslösen, welche die Nervenzellen ummanteln. Die Zerstörung von Myelinscheiden aber ist ein Charakteristikum der MS.

Die Forschenden stellten an Mäusen fest, dass die Tiere neurologische Störungen entwickelten, wenn ihnen Casein verabreicht wurde. Unter dem Elektronenmikroskop zeigten sich geschädigte Myelinscheiden. Die Forschenden fanden, dass Antikörper gegen Casein auch Myelinproteine zerstören können.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass B-Zellen im Blut von MS-Kranken teils stark auf Casein ansprechen. Vermutlich handelt es sich um Patienten, die irgendwann durch den Konsum von Milch eine Casein-Allergie entwickelt hatten. Ihre B-Zellen produzieren nach dem Verzehr von Frischmilchprodukten massenhaft Casein-Antikörper. Diese können dann aufgrund einer Kreuzreaktivität die Myelinschicht schädigen und die MS-Beschwerden verstärken. »Wir entwickeln momentan einen Selbsttest, mit dem Betroffene überprüfen können, ob sie entsprechende Antikörper in sich tragen«, sagt Professor Dr. Stefanie Kürten vom Anatomischen Institut des Universitätsklinikums Bonn. »Zumindest diese Subgruppe sollte auf Milch, Joghurt oder Quark verzichten.«

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