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Vernebelte Sicht

Wie Rauchen den Augen schadet

Rauchen schadet nicht nur der Lunge und dem Herz-Kreislauf-System. Es kann sogar zu Erblindung führen. Doch vielen Rauchern ist die Gefahr für die Augen nicht bewusst. Hier kann das pharmazeutische Personal ansetzen und Aufklärungsarbeit leisten.
Julia Lanzenrath
22.12.2020  12:30 Uhr

Die häufigste Ursache für Erblindung vor allem bei älteren Menschen ist die sogenannte altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Das Risiko, an einer AMD zu erkranken, steigt – wie der Name schon vermuten lässt – mit zunehmendem Alter. Doch das Alter allein scheint nicht der einzige Risikofaktor zu sein. Bei Rauchern liegt das Risiko für eine AMD um 83 Prozent höher als bei Nichtrauchern. Zudem tritt sie bei ihnen bis zu fünf Jahre früher auf. Wer den Rauchstopp schafft, kann sein Risiko auf 42 Prozent senken.

Die AMD wird in eine feuchte und eine trockene Form unterschieden. Bei der trockenen AMD entstehen Ablagerungen (Drusen) unter der Makula, während sich bei der feuchten Form zahlreiche neue Blutgefäße in diesem Bereich bilden. Die Makula, auch gelber Fleck genannt, ist der Bereich des schärfsten Sehens auf der Netzhaut.  Bei der feuchten Form verursachen die neu gebildeten Gefäße außerdem ein sogenanntes Makulaödem. Dabei schwillt die Netzhaut an, die neuen Gefäße können bluten und Narbengewebe bildet sich. Die Funktion der Sehzellen wird stark beeinträchtigt und sie gehen zugrunde. Die Folge: Das scharfe, zentrale Gesichtsfeld fällt aus.

Gefäßwachstum hemmen

Die AMD ist nicht heilbar. Mit sogenannten VEGF-Inhibitoren wie Ranibizumab und Aflibercept lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung aber zumindest bei der feuchten AMD einbremsen. Hierzu wird das Medikament in den Glaskörper injiziert. VEGF steht für »vascular epithelial growth factor«, einen körpereigenen Wachstumsfaktor, der die Bildung neuer Gefäße anregt. Hemmt man diesen, kommt die AMD zum Stillstand. Allerdings ist die Wirkdauer kurz, weshalb mindestens drei Injektionen im einmonatigen Abstand notwendig sind. Eine lebenslange Vorsorge und häufigere Injektionen sind meist unvermeidbar.

Eine alternative Behandlungsoption stellt die erhöhte Zufuhr bestimmter Nährstoffe darf. Untersuchungen zufolge können sie den Verlauf der AMD in wenigen Fällen verlangsamen. Die sogenannte ARED-Studie (Age-Related Eye Disease Studies) konnte für bestimmte Nährstoffkombinationen eine bessere Verlaufsprognose bei trockener AMD belegen. Die AREDS-Wirkstoffkombination enthält Vitamin C (500 mg), Vitamin E (400 I.E.), Betacarotin (15 mg), Zink (80 mg) und Kupfer (2 mg). Sie ist für Raucher und Ex-Raucher aufgrund des Betacarotin allerdings nicht geeignet, da es das Risiko für Lungenkrebs erhöhen kann. Die AREDS-2-Kombination ersetzt das Betacarotin durch Lutein (10 mg) und Zeaxanthin (2 mg) und ist somit auch für (Ex-)Raucher geeignet. Der Nutzen der Nährstoffkombination ist jedoch überschaubar, In Studien profitierten nur 6 Prozent der Probanden gegenüber der Kontrollgruppe. Ein vorbeugender Effekt konnte in bisherigen Studien ebenfalls nicht belegt werden. Auch der häufig postulierte Nutzen  von Omega-3-Fettsäuren für die Augen ist bisher nicht bestätigt.

Generell sollte eine dauerhafte Einnahme hochdosierter Nährstoffe immer mit dem Augenarzt abgesprochen werden, da sie unter Umständen zu zahlreichen unerwünschten Nebenwirkungen führen können. Nicht nur Betacarotin ist nicht für jeden geeignet, auch hohe Dosen Vitamin E erhöhen das Sterblichkeitsrisiko. Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfälle durch Betacarotin sowie urologische Probleme durch Zink sind ebenfalls möglich. Eine Zufuhr der Nährstoffe nur über die Nahrung ist nicht möglich, da sehr hohe Dosen über mindestens sechs Jahre bei bereits begonnener AMD notwendig sind.

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