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Infiziert oder nicht

Wie sicher sind Corona-Tests?

Betrachtet man die Zahl der erfassten Corona-Fälle, muss eines klar sein: Es gibt eine erhebliche Dunkelziffer. Für einen besseren Überblick sollen Studien in mehreren Regionen Deutschlands sorgen. Doch bislang waren Ergebnisse solcher Untersuchungen mit Fragezeichen versehen, weil es keinen in allen Belangen hundertprozentig zuverlässigen Test gibt.
dpa
05.05.2020  16:30 Uhr

»Es gibt einen großen Graubereich«, sagt Antonia Zapf vom Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Zahlen und Studien gäben bisher zwar einen guten Eindruck der Entwicklung. 

»Wichtig ist, zu kommunizieren, dass es Schätzungen sind – nicht die Wahrheit.«
Antonia Zapf, Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie,Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Ein neuer Antikörpertest stammt nun aus dem Biotechnologie-Zentrum des Pharmariesen Roche im oberbayerischen Penzberg und soll Verwaltungsratspräsident Christoph Franz zufolge weltweit millionenfach Klarheit bringen.

Spezifität und Sensitivität

Wie zuverlässig ein Test arbeitet, geben Hersteller mit Werten für die Spezifität und Sensitivität an. Die Sensitivität steht für die Erkennungsrate, also den Prozentsatz der Betroffenen, bei denen die Infektion tatsächlich erkannt wird. Ein Test mit einer Sensitivität von 95 Prozent identifiziert 95 von 100 Infektionen und 5 nicht. Für den Roche-Test »Elecsys Anti-SARS-CoV-2« beträgt die Sensitivität nach Angaben des Unternehmens 100 Prozent. Laut Verwaltungsratspräsident Franz ein völlig «neues Qualitätsniveau».

Die Spezifität sagt aus, wie viele Gesunde, die definitiv nicht mit dem Virus infiziert sind oder waren, von dem Test auch tatsächlich als gesund erkannt werden. Ein Test mit einer Spezifität von 95 Prozent liefert bei 5 von 100 nicht infizierten Menschen fälschlicherweise ein positives Ergebnis. Bei hoher Sensitivität und geringer Spezifität kann es viele falsch-positive Befunde geben. Für Elecsys Anti-Sars-CoV-2 gibt Roche die Spezifität mit 99,8 Prozent an.

Antikörper oder Erbgut

Unterschieden werden muss bei den Tests ferner, ob es sich um einen Nachweis von Erbgut des Virus SARS-CoV-2 handelt oder um eine Untersuchung auf spezielle Antikörper, die der Betroffene nach einer Infektion mit diesem Virus entwickelt hat. Für aktuelle Infektionen wird das Coronavirus nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) molekularbiologisch nachgewiesen, indem man etwa in einem Rachenabstrich nach dem Erbgut des Virus sucht (RT-PCR).

»Es wurden bisher mehrere unterschiedliche Testsysteme entwickelt, die jeweils bestimmte Genabschnitte des Erregers erkennen«, erläutert das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) dazu. Spezifität und Sensitivität hingen unter anderem vom verwendetem Genabschnitt oder der Kombination von Genabschnitten ab – aber auch den genutzten RT-PCR-Reagenzien, so das LGL. Labore arbeiten demnach mit unterschiedlichen Testsystemen und beziehen eigenverantwortlich die dafür benötigten Materialien.

Tests auf SARS-CoV-2-spezifische Antikörper im Blut – wie auch Roches Elecsys Anti-SARS-CoV-2 spielen für die Diagnose einer akuten Infektion keine Rolle, da zwischen Beginn der Symptomatik und der Nachweisbarkeit spezifischer Antikörpern nach RKI-Angaben etwa sieben Tage vergehen, in Einzelfällen mehr. Entscheidend ist also der Abstand zwischen Erkrankung und Test, wie auch Zapf erläutert. Je größer dieser Zeitraum ist, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit, dass die RT-PCR positiv ist – und desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass der Antikörpertest positiv ist.

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