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Überdosis

Wie viel Vitamin D ist zu viel?

Immer mehr Menschen supplementieren Vitamin D, um etwa Immunsystem und Knochen zu stärken. Doch die unkontrollierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in Eigenregie birgt das Risiko einer Überdosierung.
Verena Schmidt
26.08.2022  09:00 Uhr

Ein Drittel der Deutschen nimmt mindestens einmal pro Woche Vitamine über Nahrungsergänzungsmittel ein, das ergab eine repräsentative Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Anfang des Jahres. Besonders beliebt sind Präparate mit Vitamin D. Dass man mit einer hoch dosierten Einnahme jedoch eine Überversorgung und damit negative gesundheitliche Auswirkungen riskiert, ist nicht allen Konsumenten bewusst.

Zu hohe Dosierungen von Vitamin D sind möglich und unter Umständen schädlich – darauf weisen die Autoren eines Fallberichts hin, der vor einigen Wochen im Fachjournal »BMJ Case Reports« veröffentlicht wurde. Die Mediziner aus Großbritannien berichten von einem Mann mittleren Alters, der unter Erbrechen, Übelkeit, Unterleibsschmerzen, Beinkrämpfen, Tinnitus und Mundtrockenheit, verstärktem Durst, Durchfall und starkem Gewichtsverlust litt. Nach drei Monaten war der Mann von seinem Hausarzt an eine Klinik überwiesen worden, wo die Diagnose einer Vitamin-D-Intoxikation gestellt wurde.

Der Patient hatte auf Anraten eines Ernährungsberaters insgesamt 20 verschiedene OTC-Supplemente eingenommen und damit täglich 150.000 I. E. Vitamin D aufgenommen – eine enorm hohe Dosis. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beträgt der UL (tolerable upper intake level) für Vitamin D 100 µg, also 4000 I. E., pro Tag. Bis zu diesem Wert gilt die Aufnahme für Erwachsene und Kinder ab elf Jahren nach aktuellem wissenschaftlichen Stand als nicht bedenklich. Aber Achtung: Der UL-Wert bezieht alle Vitamin-D-Quellen mit ein, also auch die Zufuhr über die normale Ernährung oder angereicherte Lebensmittel.

Hyperkalzämie durch hohe Dosen

Wer hoch dosierte Supplemente einnimmt, könne diesen Wert in Kombination mit anderen Quellen überschreiten, warnt das BfR. Eine Überdosierung führt zu erhöhten Calciumwerten im Blutserum (Hyperkalzämie) mit Symptomen wie Müdigkeit und Muskelschwäche, Erbrechen und Verstopfung bis hin zu Herzrhythmusstörungen und der Verkalkung von Gefäßen. Eine andauernde Hyperkalzämie kann zu Nierensteinen, Nierenverkalkungen und letztendlich zu einer Abnahme der Nierenfunktion führen.

Auch ohne Sonnenlicht reicht dem Institut zufolge eine tägliche Aufnahmemenge von 20 µg (800 I. E.) aus. Wer Vitamin D ergänzen möchte, sollte also auf Präparate mit einer Tagesdosis von maximal 800 I. E. zurückgreifen. Höhere Dosierungen sollten nur unter ärztlicher Kontrolle und unter Berücksichtigung des individuellen Vitamin-D-Status erfolgen, heißt es in einer Stellungnahme des BfR aus dem vergangenen Jahr.

Weiter heißt es vonseiten des BfR, die tägliche Einnahme von Vitamin-D-Präparaten mit Dosierungen von 50 µg oder 100 µg sei aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht erforderlich. Allerdings scheinen bei nur gelegentlichem Verzehr solcher hochdosierten Präparate gesundheitliche Beeinträchtigungen unwahrscheinlich zu sein. Wer jedoch unkontrolliert langfristig und täglich hochdosierte Vitamin-D-Präparate zu sich nehme, riskiere gesundheitliche Schäden.

Für wen sinnvoll?

Um eine generelle Einnahme von Vitamin-D-Präparaten zur Prävention in der Allgemeinbevölkerung zu empfehlen, fehlen derzeit belastbare Daten. Allerdings: Viele ältere Menschen über 65 Jahre bewegen sich nur selten im Freien, zudem nimmt die körpereigene Vitamin-D-Produktion im Alter ab. In dieser Altersgruppe kann also die Einnahme eines Vitamin-D-Präparates sinnvoll sein. Gleiches gilt für Pflegebedürftige: Das BfR empfiehlt, für Pflegeheimbewohner eine generelle Einnahme von bis zu 20 µg pro Tag in Erwägung zu ziehen.

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