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Gesunde Zähne 

Wieviel Fluorid benötigen Kinder zur Kariesprophylaxe?

Das Netzwerk »Gesund ins Leben« hat kürzlich Empfehlungen zur Kariesprävention mit Fluorid bei Säuglingen und Kindern veröffentlicht. Somit steht für die Altersgruppe von null bis sechs Jahren erstmalig eine einheitliche Handlungsempfehlung zur Verfügung. 
PZ
Carolin Lang
07.05.2021  14:00 Uhr

Bisher führten parallel existierende, unterschiedliche Empfehlungen zur Kariesprävention im jungen Kindesalter zur Verunsicherung von Beratungskräften und Eltern, zu geringer Akzeptanz und folglich zu unzureichender Umsetzung der Empfehlungen. Einig war man sich nur, dass Kinder von Geburt an Fluorid erhalten sollten, nur in welcher Form? Während Kinderärzte Tabletten und fluoridfreie Zahnpasta empfahlen, plädierten Zahnärzte für fluoridierte Zahnpasta. Die Gefahr bestand nun, dass Eltern entweder gar kein Fluorid wollten oder vorsorglich beides machten – eindeutig ein zu viel.

Vertreter verschiedener Fachgesellschaften formulierten nun endlich gemeinsame Handlungsempfehlungen auf Basis der wissenschaftlichen Evidenz unter Berücksichtigung von Umsetzbarkeit und Erreichbarkeit auch von Familien mit erhöhtem Kariesrisiko. Der Prozess wurde vom Netzwerk »Gesund ins Leben« koordiniert, einer Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die Empfehlungen erschienen kürzlich in der »Monatsschrift Kinderheilkunde« (DOI: 10.1007/s00112-021-01167-z).

Von der Geburt bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns sollen Säuglinge demnach täglich ein Supplement mit 400 bis 500 IE Vitamin D und 0,25 mg Fluorid in Tablettenform erhalten. Nach dem Zahndurchbruch soll das Kind behutsam und allmählich an das Zähneputzen herangeführt werden. Nun gibt es zwei Möglichkeiten zur weitergehenden Supplementierung:

  1. Die Verabreichung von täglich einer Tablette mit 400 bis 500 IE Vitamin D und 0,25 mg Fluorid begleitend zum Zähneputzen ohne Zahnpasta oder mit geringer Menge fluoridfreier Zahnpasta.
  2. Die Verabreichung von täglich einer Tablette mit 400 bis 500 I.E. Vitamin D und bis zu zwei Mal täglich Zähneputzen mit jeweils bis zu 0,125 g Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid. Das entspricht einer reiskorngroßen Menge.

Achtung! Die unterschiedlichen Produkte für Milchzähne haben zum Teil unterschiedliche Fluorid-Gehalte. Eltern sollten beim Kauf einen genauen Blick auf die Angaben werfen. Fluoridhaltige Zahnpasta und Fluoridtabletten sollen nicht in Kombination verwendet werden. Die Kariesprophylaxe und die Art der Fluoridanwendung sollen betreuende (Zahn-)Ärzte mit der Familie besprechen.

Ab einem Alter von zwölf Monaten bis unter 24 Monaten sollen die Eltern mit dem Kind dessen Zähne zweimal täglich mit jeweils bis zu 0,125 g (reiskorngroße Menge) Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid putzen. Die Eltern sollen die Zahnpaste in korrekt dosierter Menge auftragen, um eine zu hohe Aufnahme zuverlässig zu vermeiden.

Erbsengroße Zahnpastamenge erst ab zwei Jahren

Im Alter von zwei bis zu sechs Jahren sollen die Zähne des Kindes zweimal täglich mit jeweils bis zu 0,25 g Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid geputzt werden. Das entspricht nun nicht mehr einer reiskorn- sondern erbsengroßer Menge. Die Eltern sollen mit dem Kind die Zähne putzen. Zudem kann ein dritter Putzgang in der Kita erfolgen, ebenfalls mit bis zu 0,25 g (erbsengroße Menge) Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid. Die Kinder sollen die Zahnpasta nicht selbst auftragen, das sollten die Betreuer übernehmen.

Fluorid-Überdosierungen vermeiden

Die Fluoridanwendung spielt eine wichtige Rolle in der Kariesprävention. Überdosierungen können jedoch zu Dentalfluorosen in den bleibenden Zähnen führen. Bei allen Altersgruppen sollten daher Zahnpflegeprodukte angewendet werden, die eine genaue Dosierung der empfohlenen Höchstmenge an Zahnpasta ermöglichen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass Mengen wie »reiskorngroß« (0,125 g) oder »erbsengroß« (0,25 g) mit den derzeit üblichen Tuben nicht genau abmessbar seien. Für eine zuverlässige Dosierung wären fest angebrachte Dosierspender benötigt, die bislang jedoch nicht zur Verfügung stünden. In der Zwischenzeit empfehlen die Autoren daher Zahnpasten zu verwenden, die beispielsweise durch kleinere Tubenöffnungen und Veranschaulichung der empfohlenen Menge auf der Tube das Risiko einer Überdosierung verringern.

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