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Infektionsgefahr

Wird das Coronavirus durch Bargeld übertragen?

Die Wahrscheinlichkeit, sich an Geldscheinen oder Münzen mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, ist sehr gering. Mit dieser Einschätzung haben deutsche Experten nun die Aussage eines schweizerischen Seuchenschützers relativiert, der jüngst vor einer möglichen Infizierung mit dem Coronavirus über kontaminierte Banknoten gewarnt hatte.
dpa/PTA-Forum
17.03.2020  14:05 Uhr

Mark Witchi, Leiter der Sektion Impfempfehlung und Bekämpfungsmaßnahmen im Schweizer Bundesamt für Gesundheit, hatte gegenüber der »Wirtschaftswoche« gesagt, dass »Viren auf Banknoten eine Gefahr darstellen können, wenn man sich nach dem Anfassen nicht die Hände wäscht und ins Gesicht greift«. Seine Untersuchungen mit Influenzaviren hätten ergeben, dass diese bis zu 17 Tage auf Banknoten überleben könnten.

Deutsche Experten sind dagegen der Ansicht, dass die Wahrscheinlichkeit, sich an Geldscheinen oder Münzen mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, sehr gering ist. Der Virologe Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, erläutert dazu in seinem NDR-Podcast, dass es sich bei Corona- und Influenzaviren um behüllte Viren handele, die gegen Eintrocknung »extrem empfindlich« seien. 

Nicht mit Schnupfenviren vergleichbar

Anders sei es bei Schnupfenviren (Rhinoviren), die unbehüllt seien und weniger empfindlich gegen Eintrocknung. Diese würden eher mit den Fingern in die Nase gebracht und könnten dort für Infektionen verantwortlich sein.

Bei Coronaviren erfolge eine Infektion dagegen meist über den Rachen – »und wir stecken uns den Finger nicht in den Hals«, so Drosten. Er verwies jedoch darauf, dass die Abläufe nicht abschließend erforscht seien. »Aber wahrscheinlich ist das so, dass diese Viren schwerpunktmäßig mehr über Tröpfcheninfektion übertragen werden, weil sie eingeatmet werden müssen.« Deshalb spiele bei der aktuellen Coronavirus-Erkrankung die Kontaktübertragung eine geringere Rolle, als bei anderen Erkältungskrankheiten.

Der Greifswalder Hygienefacharzt Günter Kampf sieht zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit, im unbelebten Umfeld von Covid-19-infizierten Personen Viren zu finden – etwa auf der Kleidung, auf Brillen und auch Geldscheinen. Aber: »Ob das Material noch infektiös ist, weiß man nicht. Ob die Menge ausreicht, um über die Hände auf die Nasenschleimhaut übertragen zu werden und eine Infektion auszulösen, weiß man nicht«, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Ebenso unwahrscheinlich sei es, dass Viren beim Streicheln des Fells von Hunden und Katzen übertragen werden. »Theoretisch ja, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert, geht gegen Null«, sagte Kampf.

Auch der der Infektiologe René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, hält eine Ansteckung mit dem Coronavirus über Scheine oder Münzen für unwahrscheinlich. Würde das Virus über Geldscheine oder Lappen übertragen, wären die Fallzahlen höher, sagte Gottschalk heute in Frankfurt. Möglicherweise könne man die Viren auf Geldscheinen nachweisen, aber diese erreichten nicht die Keimzahl, um einen Menschen zu infizieren. Darum halte er es auch für »völlig überzogen«, Geldscheine zu desinfizieren, sagte Gottschalk.

Studie zur Überlebensdauer des Coronavirus

US-amerikanische Forscher haben in einer neuen Studie nachgewiesen, dass das neue Coronavirus SARS-CoV-2 mehrere Tage auf Oberflächen überdauern kann. Das lebensfähige Virus sei in Luftpartikeln bis zu drei Stunden nachweisbar gewesen, auf Kupferoberflächen bis zu vier Stunden und auf Pappe etwa einen Tag, schrieben die Forscher mehrerer Institute in der Studie, die im »New England Journal of Medicine« publiziert wurde. Auf Kunststoff und Edelstahl konnten lebensfähige Coronaviren noch nach zwei bis drei Tagen nachweisbar gewesen.

Geldscheine oder Münzen wurden für diese Studie allerdings nicht untersucht. Die Empfehlung, sich oft und gründlich die Hände zu waschen, bleibt also von höchster Bedeutung, um eine Virenübertragung auf Atemwege und Schleimhäute zu vermeiden.

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