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Schmerztherapie

Opioide: Wirksame Medikamente, gefährliche Suchtmittel

Bei der Therapie starker Schmerzen gelten verschreibungspflichtige Opioide oft als unverzichtbar. Falsch eingesetzt steigt jedoch das Suchtpotenzial der Substanzen. Eine strenge Indikationsstellung und sorgfältige Aufklärung der Patienten sind unerlässlich.
Nicole Schuster
06.12.2019
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Der Oberbegriff »Opioide« umfasst sowohl Opiate aus dem Milchsaft des Schlafmohns als auch halb- oder vollsynthetisch hergestellte Substanzen mit morphinähnlicher Wirkung. Eine Gemeinsamkeit aller Opioide ist ihr Abhängigkeitspotenzial. In den USA sind 8 bis 12 Prozent der Menschen, die Opioide gegen chronische, nicht-tumorbedingte Schmerzen wie chronische Rückenschmerzen einnehmen, von den Medikamenten abhängig. Inzwischen haben sich Begriffe wie Opioidkrise oder Opioid-Epidemie entwickelt, um den starken Anstieg der Zahl von Drogenabhängigen und Todesfällen infolge des Missbrauchs von opioidhaltigen Schmerzmitteln zu beschreiben.

Experten kritisieren, dass Mediziner die stark wirksamen Substanzen oft zu leichtfertig oder in zu hohen Dosen verschreiben. Aber auch bei der Pharmaindustrie sieht man eine Schuld. In den USA wurden bereits mehrere pharmazeutische Unternehmer erfolgreich verklagt, da sie nicht ausreichend über die Suchtrisiken der von ihnen vermarkteten Opioide aufgeklärt hatten. Auch hierzulande verschreiben Ärzte die starken Analgetika zunehmend häufig. So stieg die Anzahl der Erstverschreibungen zur Therapie von chronischen, nicht-tumorbedingten Schmerzen zwischen 2000 und 2010 um 37 Prozent an.

»Was die Verschreibung von Opioiden betrifft, befindet sich Deutschland weltweit in der Spitzengruppe«, bestätigt Dr. Johannes Just, Facharzt für Allgemeinmedizin und Suchtmedizin und freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums in Düsseldorf, im Gespräch mit PTA-Forum. Dabei beachten nicht alle Ärzte die Empfehlungen aus den aktuellen Leitlinien, etwa der S3-Leitlinie »Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht-tumorbedingten Schmerzen«. Sie verordnen die Mittel beispielsweise auch dann, wenn Kontraindikationen bestehen oder auch andere Maßnahmen versucht werden könnten.

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