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Feucht oder trocken halten?
Wunden richtig behandeln

Traditionell behandeln

Die gesäuberte Wunde ist dann mit einer sterilen Wundauflage beziehungsweise einem gewöhnlichen Pflaster im Sinne einer konventionellen trockenen Wundversorgung abzudecken. »Es fehlen bislang eindeutige Belege dafür, dass bei Bagatellverletzungen wie kleinen Schnitten, Kratzern, Abschürfungen oder oberflächlichen Verbrennungen ein feuchtes Milieu Vorteile verschafft«, erklärt Esters. Damit die neu gebildete Haut an der Wunde geschmeidig bleibt, können Betroffene sie mit pflegenden Substanzen einreiben. »Dafür eignen sich prinzipiell dieselben Produkte, wie für den Rest des Körpers«, sagt Esters. »Wichtig ist es, die Zubereitung mit leichtem Druck einzumassieren.«

Feuchtes Milieu

Vor allem einige Pharmafirmen propagieren das sogenannte moderne Wundheilungsmanagement im feuchten Milieu. Laut dem Experten ist das für oberflächliche, unkomplizierte Alltagswunden aber übers Ziel hinausgeschossen. Anders sehe es jedoch aus, wenn mehr als nur die oberen Hautschichten verletzt sind und Gewebe verloren gegangen ist: »Liegen Fettgewebe oder Strukturen wie Nerven frei, ist ein Austrocknen des Wundbetts unbedingt zu vermeiden.« Diese tieferen Wunden verlieren beim Trocknen an der Luft außerdem an Elastizität und reißen schneller auf, was die Heilung weiterhin beeinträchtigt. »Unter trockenen Bedingungen heilen heilen diese Wunden nicht ohne bleibende Schäden ab, und es können sich unschöne und beeinträchtigende Narben bilden«, so der Experte.

Um das zu verhindern und die Heilung zu beschleunigen, versuchen Ärzte bei Wunden mit Substanzverlust wie Bisswunden oder bei tieferen Wunden wie Stichwunden die idealen Bedingungen in einer geschlossenen Wundblase nachzuahmen. Ein weiterer Vorteil dieser Versorgung ist, dass seltener unförmige oder schmerzende Narben entstehen. Patienten leiden zudem weniger unter Wundschmerzen, da freigelegte Nervenenden vor dem Austrocknen geschützt sind. Auch chronische Wunden heilen im feuchten Milieu besser ab.

Phasengerecht wählen

Für die feuchte Wundbehandlung stehen verschiedene Verbandsmaterialien zur Verfügung, die phasengerecht und individuell auszuwählen sind. Ziel ist es, die Exsudationsphase zu verkürzen und die Granulationsphase, in der neues Bindegewebe wächst, zu beschleunigen (siehe Kasten »Heilen in drei Phasen«). Entscheidend für die Wahl der Wundversorgung ist der Feuchtigkeitsgehalt des Wundbetts.

Polyurethanschaumstoffe, Laminate und Alginate sind ideal für Wunden, die viel Flüssigkeit absondern. Amorphe hydroaktive Gelformulierungen lassen sich an verschiedene Wundformen und -größen anpassen und ermöglichen dem Verletzten, das betroffene Körperteil weiterhin gut bewegen zu können. Hydrokolloidgele wiederum können je nach Wundbeschaffenheit Feuchtigkeit aufnehmen oder abgeben. Eine optimale Wundauflage muss sich atraumatisch entfernen lassen, damit das neugebildete Gewebe nicht verletzt wird.

Um die Narbenbildung zu verbessern, rät der Experte zu Silikonfolien, pflastern oder -gelen. »Der Wirkmechanismus dieser Präparate ist zwar noch nicht genau entschlüsselt, wir wissen aber aus Erfahrung, dass sie wirken. Zu kombinieren sind sie zum Beispiel mit einer Kompressionsbehandlung.«

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