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Moderne Hilfsmittel

Wunden richtig versorgen

Eine moderne Wundversorgung hängt von Art, Tiefe und Lokalisation der Verletzung ab. Feuchte Auflagen verbessern das Ergebnis vor allem bei schlecht heilenden Wunden. Sind sie oberflächlicher Natur, kann man sie auch verschorfen lassen. Bei chronischen Wunden geht es auch immer darum, die Grunderkrankung zu therapieren. Ein Überblick.
Michael van den Heuvel
14.08.2020  16:45 Uhr

Wunden haben viele Ursachen. Unfälle, Verletzungen oder chirurgische Eingriffe schädigen Gewebe. Bei Wahrnehmungsstörungen wie der diabetischen Neuropathie bemerken Patienten selbst leichte Reizungen nicht, was zu großen Schäden führen kann. Auch Durchblutungsstörungen wie beim gefäßbedingten Ulcus cruris vermindern die Heilung von Läsionen beträchtlich. Für die Beratung ist es wichtig zu wissen, wie die Wunde entstanden ist und ob es sich um eine akute Verletzung oder einen chronischen Prozess handelt.

Der Prozess der Wundheilung verläuft in mehreren Abschnitten, die sich zeitlich überlappen (siehe auch Grafik): die Reinigungs-, die Granulations- und die Epithelisierungsphase. Bereits in den ersten Minuten nach einer Verletzung setzt die Blutstillung ein. Der Gewebefaktor (tissue factor) aktiviert die Gerinnungskaskade, sodass die Wunde zunächst provisorisch verschlossen wird. Zusammen mit der gleichzeitig einsetzenden Vaskonstriktion, also der Verengung von Gefäßen, kommt der Blutfluss zum Erliegen.

In dieser ersten Reinigungsphase, auch Exsudationsphase genannt, wird über typische Mechanismen einer Entzündungsreaktion ein Wundexsudat gebildet, das die Wundregion reinigt. Mit dieser Flüssigkeit werden Zellen des Immunsystems in die defekte Geweberegion geschwemmt und eliminieren dort Zelltrümmer, Fremdkörper und Krankheitserreger. Außerdem geben sie den Impuls zur Reparatur des zerstörten Gewebes. Zudem gelangt Lymphe aus beschädigten Lymphgefäßen in die Region, was zur Schwellung, dem sogenannten Wundödem, führt.

Nach drei bis vier Tagen geht die Exsudationsphase in die proliferative oder Granulationsphase über: Entlang des bereits vorhandenen Netzes aus Fibrin werden Kollagenfasern aufgebaut. Es bilden sich neue Gefäße und extrazelluläre Matrix. Granulationsgewebe, also neues Bindegewebe, füllt die Wunde mehr und mehr auf. Die betroffene Stelle zieht sich zusammen. Signalstoffe sorgen dafür, dass Haargefäße in die betroffene Region einwachsen. Diese Vorgänge finden in etwa bis zum 14. Tag statt.

Die kurzfristige Wundheilung endet mit der Reparatur- oder Epithelisierungsphase: Kollagenfasern wachsen weiter ein, und Epithelzellen gelangen vom Randbereich in die Läsionsstelle. Sie bilden eine neue Deckschicht, die Epidermis. Im Ergebnis entsteht eine Narbe. Da sie keine Melanozyten, also Pigmentzellen, enthält, unterscheidet sie sich von umgebenden Strukturen auch farblich.

Innerhalb von zwei bis drei Jahren laufen fortwährend Remodellierungsprozesse ab. Das Gewebe ist ständigen Umwandlungsvorgängen ausgesetzt. Das Narbengewebe wird fester und verblasst. Frische Narben sind aufgrund vieler Kapillaren rot. Die Zahl feiner Blutgefäße nimmt ab, was zu helleren Strukturen führt. Oberflächliche Wunden, die nur die ehemalige Epidermis betreffen, heilen ohne Narbenbildung.

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