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Altersabhängige Therapie

X- und O-Beine behandeln

Typischerweise sind bei Kindern X-Beine wesentlich häufiger vertreten als O-Beine. Erst im Verlauf der Pubertät kehrt sich das Verhältnis von X- zu O-Beinen um, sodass bei Erwachsenen O-Beine stärker vertreten sind. Etwa 32 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen haben O-Beine. Solange die Ausprägung gering ist, handelt es sich um eine harmlose Abweichung, die keine Beschwerden verursacht. Auch bei Kindern sind Beinachsenabweichungen in der Regel nicht mit Schmerzen verbunden. Folgen der Beinachsenabweichung zeigen sich erst, wenn die Belastung der Kniegelenke so ungleichmäßig ist, dass sie sich verstärkt abnutzen und sich verfrüht eine Arthrose in einzelnen Gelenkskompartimenten entwickelt. Bei O-Beinen ist häufig das mediale, auf der Knieinnenseite gelegene Gelenkskompartiment, bei X-Beinen das laterale, auf der Knieaußenseite liegende Kompartiment, betroffen. Mediziner bezeichnen die Kombination aus Arthrose im medialen Kompartiment mit gleichzeitiger O-Bein-Fehlstellung als Varus-Gonarthrose. Die Kombination aus X-Bein-Fehlstellung und Arthrose im lateralen Kompartiment als Valgus-Gonarthrose.

Ausgeprägte Achsenabweichungen im Erwachsenenalter verstärken sich mit der Zeit zudem häufig zusätzlich. Betroffen sind dann meist auch die stabilisierenden Bänder des Kniegelenks, sodass beim Laufen neben Schmerzen ein Gefühl von Instabilität dazu kommt.

Viele Spontankorrekturen

Ob eine Beinachsenfehlstellung bereits therapiebedürftig ist oder noch der normalen Entwicklung entspricht, können Kinderorthopäden anhand des Alters, des Gehens des Kindes und der Formung der Beine schnell einschätzen. So besteht vor dem Laufbeginn eines Kindes grundsätzlich kein therapeutischer Handlungsbedarf. Bei kleinen Kindern wird in der Regel zunächst zum Abwarten und Beobachten geraten. Die Zahl der Spontankorrekturen bis zum achten Lebensjahr ist sehr hoch. Anschließend werden sie seltener, sind aber weiterhin nicht ausgeschlossen. Fotografische Verlaufsdokumentationen oder Ganganalysen können helfen, die Veränderungen besser zu erfassen und den künftigen Verlauf abzuschätzen.

Korrigiert sich eine Beinachsenfehlstellung nicht von allein, kann mit einer sogenannten wachstumslenkenden Operation mit Implantaten nachgeholfen werden. Den Patienten wird im Rahmen eines minimalinvasiven Eingriffs eine kleine Klammer oder ein Plättchen auf der Innen- oder Außenseite des Knies angebracht. Sie hemmen in Zukunft das Wachstum, während die andere Seite normal weiterwächst. Nach dem Eingriff ist das Bein sofort wieder belastbar, die Beinachse korrigiert sich in Folge mit dem Wachstumsprozess des Kindes.

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