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Neurowissenschaft

Zählen kann Schmerzen lindern

Verschiedene kognitive Strategien darunter auch Rückwärtszählen können das Schmerzempfinden positiv beeinflussen. Dabei werden jeweils unterschiedliche Bereiche im Gehirn angesprochen. Das haben Wissenschaftler der LMU München in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford gezeigt.
Michelle Haß
28.10.2020  09:00 Uhr

Für ihre Studie fügte das Forscherteam um Enrico Schulz insgesamt 20 Probanden einen Kälteschmerz zu. Währenddessen sollten die Versuchspersonen zur Schmerzlinderung eine von drei Strategien anwenden: von 1000 in 7er-Schritten rückwärts zählen, sich gedanklich etwas Schönes vorstellen oder sich einreden, dass die Kälte nicht schmerzt. Mithilfe der Magnetresonanztomographie untersuchten die Neurowissenschaftler, wie die verschiedenen Methoden die Hirnaktivität beeinflussen. Die Schmerzintensität und damit die Wirksamkeit der verschiedenen Strategien zur Schmerzlinderung sollten die Probanden anhand einer Schmerzskala von 0 bis 100 einschätzen.

Grundsätzlich reduzieren alle drei Strategien den Schmerz, wie die Wissenschaftler in einer bereits 2019 in der Zeitschrift Cortex veröffentlichten Arbeit berichteten. Rückwärtszählen stellte sich dabei als besonders effektive Strategie heraus. »Offenbar erfordert diese Aufgabe eine so hohe Konzentration, dass der Schmerz in den Hintergrund rückt. Einigen Probanden gelang es sogar, die Schmerzstärke um die Hälfte zu reduzieren«, sagte Schulz. »Eine Probandin hat später berichtet, dass sie die Strategie sogar in der intensiven Phase von Geburtswehen erfolgreich angewandt hat.«

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass im komplexen Prozess der Schmerzlinderung zahlreiche verschiedene Gehirnregionen kooperieren müssen. Bei der Schmerzlinderung durch Rückwärtszählen sei unter anderem die enge Zusammenarbeit von linker und rechter Inselrinde entscheidend, die Schmerzlinderung durch die gedankliche Vorstellung von etwas Schönem gelinge hingegen nur durch den intensiven Austausch mit dem Stirnlappen.

Die Forscher vermuten, dass letzteres möglicherweise mehr Kontrolle erfordert während Zählen eine vergleichsweise klare Anforderung ist. »Grundsätzlich gilt im Gehirn aber das Gleiche wie im Arbeitsalltag«, sagt Anne Stankewitz, eine Mitautorin des Papers, »gute Teamarbeit führt zum Erfolg.« Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, ob sich ihre Ergebnisse auch auf chronische Schmerzpatienten übertragen lassen.

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