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Jeden Tag zweimal 

Zähne gründlich reinigen 

Die meisten Deutschen putzen sich zweimal am Tag die Zähne. Dazu soll laut Experten noch Putzen ohne Zahnpasta jeweils zehn Minuten nach den Mahlzeiten kommen. Wer so vorgeht, tut schon viel für den Erhalt seiner Zähne.
Annette Immel-Sehr
11.02.2020
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Wie Zähneputzen geht, lernen hierzulande schon die Kindergartenkinder. Unter Federführung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege erhalten sie im Rahmen der sogenannten Gruppenprophylaxe schon in frühen Jahren erste Schulungen. Dieses Engagement zahlt sich offenbar aus. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der Versicherung CosmosDirekt putzen sich drei von vier Erwachsenen durchschnittlich zweimal am Tag die Zähne.

Kindergartenkinder lernen auch: Bonbons können den Zähnen schaden. Doch nicht nur zuckerhaltige Lebensmittel sind kariogen, sondern auch stärkehaltige Produkte wie beispielsweise salzige Knabberartikel. Die Stärke haftet an den Zähnen und wird von Bakterien zu klebrigen Polysacchariden umgebaut. Als Endprodukte des Bakterienstoffwechsels entstehen organische Säuren. Sinkt dabei der pH unter 5,7, demineralisiert die Zahnoberfläche. Ein Effekt, den säurehaltige Getränke begünstigen. Bleibt eine Remineralisation des Zahnschmelzes durch Mineralstoffe in der Nahrung oder Fluoridierung aus, entstehen letztlich Karies-Herde, in denen Fäulnisbakterien bis in das Zahninnere gelangen und den Zahn vollständig zerstören können.

»Mittel hart genug«

Über den optimalen Erfolg des Zähneputzens entscheiden folgende Faktoren: der Druck beim Putzen, die Zahnbürste, der Zeitpunkt, die Technik und die Zahnpasta. Gutes Zähneputzen bedeutet keinesfalls, mit viel Kraft zu schrubben. Ein zu hoher Anpressdruck der Zahnbürste kann den Zahn sogar schädigen. Auch harte Borsten sind nicht zu empfehlen, da sie den Zahnschmelz aufkratzen können. »Mittel« ist in der Regel die richtige Stärke, »Weich« eignet sich für Menschen mit sehr empfindlichen Zähnen. Von Bedeutung ist auch die Beschaffenheit der Borsten. Sie sollten abgerundet sein, um weder die Zahnsubstanz noch das Zahnfleisch zu verletzen. Das heißt: Kunststoffborsten statt Naturborsten.

Direkt nach dem Essen ist Zähneputzen kontraproduktiv. Durch saure Bestandteile der Mahlzeit und eine pH-Wert-Verschiebung des Speichels in Richtung »sauer« ist der Zahnschmelz weniger hart und die Putzkörper der Zahncreme können ihn leicht beschädigen. Folgendes Zahnputz-Schema ist empfehlenswert: Vor dem Frühstück mit Fluorid-Zahnpasta putzen, 10 Minuten nach den Mahlzeiten den Mund ohne Zahnpasta oder mit der Munddusche reinigen, abends vor dem Schlafengehen erneut Fluorid-Zahnpasta anwenden.

Beim Putzen geht es darum, die Kauflächen, die glatten Seitenflächen und den Zahnfleischrand zu säubern. Am besten bewährt haben sich Kurzkopfbürsten oder konische Bürstenköpfe, da sie überall gut hinkommen – zum Beispiel auch an die Hinterseite des letzten Backenzahns. Immer wieder wird gefragt, ob elektrische Zahnbürsten besser sind als das Putzen von Hand. Die Antwort lautet: Nicht unbedingt. Die klassische Zahnbürste erzielt bei korrekter Anwendung ein ebenso gutes Reinigungsergebnis wie die elektrische Zahnbürste. Allerdings ist der Umgang mit einer elektrischen Zahnbürste etwas einfacher. Sie eignet sich daher besonders für Personen mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten.

Dazwischengehen

Zahnbürsten können die Zahnzwischenräume niemals erreichen. Deshalb bedarf es spezieller Werkzeuge, wie Zahnseide, Zahnhölzchen, Sticks oder Zahnzwischenraumbürsten, die auch als Interdentalbürsten bezeichnet werden.

Zahnseide gibt es in gewachster oder nicht gewachster Form, aufgewickelt in der Dose oder gespannt in kleinen Haltern. Nicht gewachste Seide erzielt eine bessere Reinigungswirkung. Die gewachste Seide lässt sich hingegen etwas leichter anwenden, weil sie besser »flutscht«. Sie empfiehlt sich für Ungeübte. Für eine Reinigung nehmen Anwender einmal am Tag, am besten abends, etwa 50 Zentimeter langes Stück Zahnseide, wickeln die Enden um die Mittelfinger oder Zeigefinger, sodass zwischen den Händen ein circa zehn Zentimeter langer, gespannter Faden übrigbleibt. Dieser wird über die Daumen gelegt, um ihn sicher in die Zahnzwischenräume zu führen. Dort bewegt der Anwender den Faden vorsichtig an den Zahnflächen auf und ab. Anschließend zieht er die Zahnseide im gespannten Zustand wieder aus dem Zahnzwischenraum heraus und benutzt für den nächsten Zahnzwischenraum einen sauberen Abschnitt Zahnseide. Im Anschluss werden die losgelösten Zahnbeläge durch eine gründliche Mundspülung mit Wasser entfernt. Das gilt auch für die Reinigung mit Interdentalbürsten. Vor allem bei größeren Zwischenräumen eignen sie sich besser als Zahnseide. Interdentalbürsten gibt es in unterschiedlichen Größen, Formen, Borstenstärken, Grifflängen und Winkelstellungen. Welches Modell im Einzelfall passt, dazu fragt man am besten den Zahnarzt. Der Bürstenkopf gehört nach seinem Einsatz in fließendem Wasser gereinigt und alle vier Wochen gewechselt. Meist sind es nur wenige Zwischenräume im Mund, die der Interdentalbürste bedürfen. Der Rest lässt sich mit der Zahnseide reinigen.

Wer mit Zahnseide nicht zurechtkommt, kann eine Munddusche nutzen, um die Speisereste aus den Zahnzwischenräumen zu entfernen. Es ist wichtig, die Munddusche vor dem Zähneputzen anzuwenden. Andernfalls wird das Fluorid der Zahnpasta mit Druck wieder von Zähnen gespült.

Unbedingt Fluorid

Das Angebot an unterschiedlichen Zahnpasten ist hierzulande riesig. Das Institut Ökotest schaute sich im vergangenen Jahr knapp 400 Produkte näher an. Nur jede Dritte bewertete es als empfehlenswert. Das Hauptkriterium, das den Pasten eine schlechte Bewertung einbrachte, war ihr Fluoridgehalt. Oft genug enthielten die Pasten kein oder nur wenig Fluorid. Vom Fluoridgehalt aber hängt die Wirksamkeit einer Zahnpasta ab; er sollte möglichst hoch sein. In der Kosmetik-Verordnung ist für Zahnpasten eine Höchstkonzentration von 1500 ppm (0,15 Prozent) festgelegt. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde empfiehlt, ab dem Schulalter eine Zahnpasta mit mindestens 1000 ppm Fluorid zu benutzen. Kinder im Vorschulalter sollten Zahnpasta mit 500 ppm Fluorid verwenden. Zahnschmelz reagiert wie ein Ionenaustauscher. Er tauscht das angebotene Fluorid gegen eigene Hydroxyl-Ionen aus. Der so entstehende Fluorapatit ist weniger kariesanfällig. Fluorid hemmt zudem die Fähigkeit der Plaque-Bakterien, Zucker in Säuren umzuwandeln.

Als kariesprophylaktische Wirkstoffe werden meist ein oder zwei Fluoridverbindungen sowie als weitere remineralisierende Stoffe Calcium- oder Alkaliphosphate beigegeben. Des Weiteren enthalten Zahnpasten in der Regel Putzkörper mit Silicium- oder Aluminiumverbindungen sowie Tenside wie Natriumlaurylsulfat, Feuchthalte- und Bindemittel sowie Geschmacks- und Farbstoffe. Manche Cremes sind mit adstringierenden und antibakteriell wirkenden Pflanzenextrakten angereichert.

Spezielle Zahncremes für sensible Zähne sollen freiliegende Zahnhälse schützen. Wirkstoffe wie Kaliumnitrat, Strontiumsalze, Arginin oder Calziumcarbonat sollen die Schmerzempfindlichkeit der Zähne verringern. Wahrscheinlich verschließen sie feine Kanälchen im Dentin. Einige Spezialzahncremes für sensible Zähne enthalten mildere Putzkörper als normale Zahnpasten, um das Dentin zu schonen.

Die Wirkung fluoridhaltiger Zahnpasten kann durch eine zusätzliche, einmal wöchentliche Anwendung höher konzentrierter Fluorid-Gelees gesteigert werden. Mundspülungen ebenso wie der Einsatz einer Munddusche können das Zähneputzen nur ergänzen und stellen keine Alternative zur mechanischen Plaque-Entfernung dar.

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