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Neue FSME-Risikogebiete

Zecken breiten sich nach Nordosten aus

Zwar sind die Fallzahlen im vergangenen Jahr gesunken. Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass FSME-infizierte Zecken verstärkt auch im Norden und Nordosten Deutschlands anzutreffen sind. Das Robert-Koch-Institut hat deshalb aktuell sechs neue FSME-Risikogebiete ausgewiesen.
Elke Wolf
09.03.2022  12:59 Uhr
Zecken breiten sich nach Nordosten aus

Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Erkrankungszahlen von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zurück: 2021 wurden 417 Fälle gemeldet, 2020 lag die Erkrankungsrate mit 712 auf einem Rekordhoch. Obwohl die Zahlen vor allem in Süddeutschland zurückgingen, treten die meisten Infektionen nach wie vor in Baden-Württemberg und Bayern auf. Eines ist zusätzlich auffällig: »FSME breitet sich in Norddeutschland zunehmend aus«, sagte Professor Dr. Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, bei der gestrigen Pressekonferenz der Universität Hohenheim.

Deshalb hat das Robert-Koch-Institut (RKI) auch sechs neue Regionen zu FSME-Risikogebieten erklärt. Drei davon liegen in Brandenburg, und zwar die Landkreise Oder-Spree, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße, zwei Risikogebiete betreffen Sachsen mit dem Stadtkreis Chemnitz und dem Landkreis Görlitz. In Nordrhein-Westfalen kommt der Stadtkreis Solingen hinzu, wie aus dem aktuellen Epidemiologischen Bulletin 9/2022 vom 3. März hervorgeht.

Vier der sechs neuen Regionen grenzen an bereits 2021 bestehende FSME-Risikogebiete. Mit drei neuen Risikogebieten in Brandenburg und einem neuen Risikogebiet in Nordrhein-Westfalen sind zwei neue Bundesländer mit dabei, in denen es bisher keine FSME-Risikogebiete gab. Damit steigt die Zahl der FSME-Risikogebiete auf 175 Stadt- und Landkreise, wodurch deutschlandweit nun mehr als 40 Prozent aller Kreise (44 Prozent der 401 Kreise) betroffen sind.

»Diese gegensätzliche Entwicklung in Süd- und Norddeutschland deutet darauf hin, dass unterschiedliche Umweltfaktoren in beiden Regionen Einfluss auf die Verbreitung der Krankheit haben«, meinte Dobler. Das konnte Dr. Rainer Oehme, Laborleiter des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg nur bestätigen. »In manchen Kreisen nahmen die Fälle ab, in anderen traten hingegen mehr auf. Insgesamt sind in Süddeutschland besonders höhergelegene Landkreise betroffen.« Das deute darauf hin, dass sich Zecken, die mit dem FSME-Virus infiziert sind, in höhere Gebiete bewegen. »Dem gemeinen Holzbock und der Auwaldzecke ist es in den Tälern zu warm und auch zu trocken geworden. Auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine Rolle, deshalb wandern sie in höhergelegene Gebiete.« Das mag ein Grund dafür sein, dass etwa in Südhessen oder in Unterfranken die FSME quasi verschwunden sei. Passen die Umweltbedingungen könne sich das Virus innerhalb der Zecke besser ausbreiten.

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