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Neu im Mai

Zwei Arzneimittel am Start

Mitte Mai kamen zwei neue Wirkstoffe auf den deutschen Markt. Bei dem einen handelt es sich um den nun dritten Antikörper zur Migräneprophylaxe, beim anderen um ein Krebsmedikament zur lokalen Anwendung.
Sven Siebenand
24.05.2019
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Nachdem Erenumab und Galcanezumab bereits im Handel verfügbar sind, gesellt sich mit Fremanezumab (Ajovy® 225 mg Injektionslösung, Teva) ein dritter Antikörper für die Migräneprophylaxe hinzu. Wie die anderen beiden Wirkstoffe darf auch der Neuling bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat zur Migräneprophylaxe zum Einsatz kommen.

Fremanezumab blockiert die Wirkung des Neuropeptids Calcitonin-Gene-Related Peptide (CGRP). Dieses ist an der Entstehung eines Migräne-Anfalls maßgeblich beteiligt. Wie Galcanezumab bindet der neue Antikörper direkt an CGRP und blockiert so dessen Funktion im Körper. Erenumab wirkt etwas anders, weil es an den CGRP-Rezeptorkomplex andockt.

Fremanezumab wird mithilfe einer Fertigspritze subkutan injiziert. Sind die Patienten entsprechend geschult, können sie sich auch selbst spritzen. Es stehen zwei Dosierungsoptionen zur Verfügung. Entweder wird Fremanezumab einmal monatlich in einer Dosierung von 225 mg injiziert, oder es wird vierteljährlich appliziert. Dann werden 675 mg gespritzt. Der Antikörper kann in den Bauch, Oberschenkel oder Oberarm injiziert werden. Die Injektionsstelle sollte nicht empfindlich, gerötet oder verhärtet sein und keine Hämatome aufweisen. Innerhalb von drei Monaten nach Behandlungsbeginn sollte der Arzt den Therapieerfolg der Antikörper-Therapie bewerten.

Sehr häufig beobachtete Nebenwirkungen von Fremanezumab sind Schmerzen, Verhärtungen und Erytheme an der Injektionsstelle. Häufig trat in Studien Juckreiz an der Injektionsstelle auf. Aus Vorsichtsgründen wird der neue Antikörper für Schwangere nicht empfohlen. In den ersten Tagen nach der Geburt wird stillenden Müttern nicht zur Ajovy-Therapie geraten. Falls es klinisch erforderlich ist, kann der Arzt danach die Behandlung mit dem Antikörper während der Stillzeit in Betracht ziehen. In der Fachinformation wird zudem darauf hingewiesen, dass Patienten mit bestimmten schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen von einer Teilnahme an klinischen Studien mit dem neuen Antikörper ausgeschlossen waren. Für diese Patienten liegen keine Sicherheitsdaten vor.

Fremanezumab ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius zu lagern. Es kann ungekühlt bis zu 24 Stunden bei einer Temperatur von bis zu 25 Grad Celsius aufbewahrt werden. Wird das Mittel länger als 24 Stunden außerhalb des Kühlschranks aufbewahrt, muss es entsorgt werden.

Neues Krebsmittel

Der Wirkstoff Chlormethin (Ledaga® 160 µg/g Gel, Recordati Rare Diseases) wird lokal zur Behandlung eines kutanen T-Zell-Lymphoms des Typs Mycosis fungoides (MF-CTCL) bei Erwachsenen eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine seltene, potenziell lebensbedrohliche Krebserkrankung des Immunsystems, die sich in der Haut manifestiert, chronisch verläuft und normalerweise langsam voranschreitet. Chlormethin ist kein absolut neuer Wirkstoff und es gibt bereits ein Medikament, das diesen Wirkstoff enthält. Allerdings ist dieses in Deutschland nicht auf dem Markt. Zudem handelt es sich dabei um eine Flüssigkeit zum Verdünnen vor dem Auftragen auf die Haut.

Chlormethin gehört zu den sogenannten Alkylanzien. Es heftet sich an die DNA sich teilender Zellen, etwa Krebszellen, und verhindert deren Vermehrung und Wachstum. Das Präparat wird einmal täglich dünn auf die erkrankten Hautpartien aufgetragen. Treten Hautgeschwüre auf oder kommt es zur Blasenbildung oder einer mittelschweren oder schweren Dermatitis, muss die Behandlung zumindest vorerst abgebrochen werden.

PTA und Apotheker können für die Anwendung von Ledaga einige Hinweise an die Patienten weitergeben. Diese sollten nach der Anwendung die Hände gründlich mit Seife und Wasser waschen. Das Mittel sollte sofort oder innerhalb von 30 Minuten nach Entnahme aus dem Kühlschrank angewendet werden. Es sollte mindestens vier Stunden vor oder 30 Minuten nach dem Duschen auf vollständig trockene Haut aufgetragen werden. Die Patienten sollten die behandelten Hautpartien fünf bis zehn Minuten trocknen lassen, bevor sie sich anziehen. Luft- oder wasserdichte Okklusivverbände sollten nicht auf mit Ledaga behandelten Hautpartien verwendet werden. Andere Topika können auf behandelte Hautpartien zwei Stunden vor oder zwei Stunden nach der Anwendung von Ledaga aufgetragen werden.

In der Fachinformation wird darauf hingewiesen, dass der Kontakt mit Schleimhäuten, insbesondere der Augen, zu vermeiden ist. Falls es dazu kommt, sollte sofort mindestens 15 Minuten gut gespült werden. Personen, die nicht Patienten sind, sollten den direkten Hautkontakt mit dem Krebsmedikament unbedingt vermeiden.

Sehr häufig auftretende Nebenwirkungen in Studien waren Dermatitis, Hautinfektionen und Juckreiz. Häufig kam es zu Hautulzerationen und Blasenbildung sowie Hyperpigmentierung der Haut. Für Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird Ledaga nicht empfohlen, ebenso nicht in der Schwangerschaft und bei stillenden Frauen. Vor Anbruch der Tube ist Ledaga tiefgekühlt bei -15 bis -25 Grad Celsius zu lagern. Nach dem Auftauen ist das Arzneimittel 60 Tage im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C haltbar.

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