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Gegen Psoriasis und Lungenkrebs

Zwei Neulinge im Juni

Anfang Juni kamen zwei neue Wirkstoffe in den deutschen Handel. Lorlatinib (Lorviqua® 25/100 mg Filmtabletten, Pfizer) kann bei bestimmten Lungenkrebs-Patienten zum Einsatz kommen. Der zweite Neuling, Risankizumab (Skyrizi™ 75 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze, Abbvie), ist ein Antikörper für die Psoriasis-Behandlung.
Sven Siebenand
06.06.2019
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Nach Guselkumab (Tremfya®, Janssen-Cilag) und Tildrakizumab (Ilumetri®, Almirall) ist Risankizumab nun der dritte Antikörper, der an Interleukin-23 (IL-23) bindet und so dessen Aktivität hemmt. Dieses Zytokin steuert Wachstum und Reifung bestimmter Immunzellen. Diese sind an der Entstehung von Entzündungen beteiligt, die mit der Bildung von Plaque-Psoriasis in Verbindung stehen. Indem die Wirkung von IL-23 gehemmt wird, mindern die Antikörper die Entzündung und die Symptome der Erkrankung. Ebenso wie der Wirkmechanismus unterscheidet sich auch das zugelassene Anwendungsgebiet von Risankizumab nicht von den beiden Vorgängern. Ärzte können den Antikörper Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis verordnen, wenn die Patienten für eine systemische Therapie infrage kommen.

Die empfohlene Startdosis beträgt 150 mg Risankizumab, aufgeteilt in zwei subkutane Injektionen mit jeweils 75 mg. Nach vier Wochen wird die Gabe wiederholt und danach werden 150 mg nur noch alle zwölf Wochen appliziert. Patienten können sich das Medikament nach einer Schulung selbst verabreichen. Sie sollten dabei Spritzstellen wählen, die frei von Schuppenflechte sind und die Injektionsstellen immer wechseln. Bei Patienten, die nach 16 Behandlungswochen kein Ansprechen zeigen, ist ein Absetzen des Antikörpers in Erwägung zu ziehen.

Keine Lebendimpfungen

Sehr häufig wurden unter Risankizumab Infektionen der oberen Atemwege beobachtet. Der Antikörper darf nicht bei klinisch relevanten aktiven Infektionen wie Tuberkulose verwendet werden. Patienten sollten ärztlichen Rat einholen, wenn unter der Therapie mit dem neuen Medikament Anzeichen einer Infektion auftreten. Vor Therapiestart sollte der Impfstatus aktualisiert werden. Patienten sollten während der Behandlung und für mindestens 21 Wochen danach keine Lebendimpfstoffe erhalten.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und für mindestens 21 Wochen nach der Behandlung zuverlässig verhüten. Aus Vorsichtsgründen sollte die Anwendung von Skyrizi in der Schwangerschaft vermieden werden. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen unterbrochen oder ob auf den Antikörper verzichtet wird. Das Präparat wird im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C gelagert.

Neu gegen Lungenkrebs

Ein weiterer Kinasehemmer für bestimmte Patienten mit Lungenkrebs ist Lorlatinib. Zum Einsatz kommt er bei erwachsenen Patienten mit ALK (anaplastische Lymphomkinase)-positivem, nicht kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC), und zwar wenn die Erkrankung fortgeschritten ist und die Patienten zuvor in der Ersttherapie entweder Alectinib oder Ceritinib erhalten haben oder mit Crizotinib und mindestens einem anderen ALK-Kinasehemmer behandelt wurden. Das Enzym ALK ist bei etwa 5 Prozent aller NSCLC-Patienten überaktiv und sorgt dafür, dass Krebszellen wachsen und sich vermehren. Wie die anderen genannten Wirkstoffe hemmt auch Lorlatinib ALK und vermindert so Wachstum und Ausbreitung des Tumors.

Die empfohlene Dosis beträgt 100 mg einmal täglich. Abhängig von der individuellen Sicherheit und Verträglichkeit können eine Unterbrechung der Behandlung oder eine Dosisreduktion erforderlich werden. Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Leberinsuffizienz und/oder schwerer Niereninsuffizienz wird nicht zu Lorlatinib geraten.

Sehr häufige Nebenwirkungen des neuen Wirkstoffs sind zum Beispiel erhöhte Cholesterol- und Triglycerid-Blutwerte, Ödeme, periphere Neuropathie, kognitive Effekte, Fatigue und Gewichtszunahme. Die Serumwerte für Cholesterol und Triglyceride müssen daher regelmäßig überprüft werden. Gegebenenfalls muss eine Behandlung mit lipidsenkenden Arzneimitteln eingeleitet oder deren Dosis erhöht werden.

Johanniskraut kontraindiziert

Weitere Warnhinweise, unter anderem zu Auswirkungen auf das Zentralnervensystem und das Herz, finden sich in der Fachinformation von Lorviqua. Darin wird auch darauf hingewiesen, dass die gleichzeitige Anwendung starker CYP3A4/5-Induktoren wie Rifampicin, Carbamazepin und Johanniskraut kontraindiziert ist, weil sie zu einer verringerten Wirkung von Lorlatinib führen können. Andersherum kann die gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A4/5-Inhibitoren die Plasmakonzentration von Lorlatinib erhöhen. In der Fachinformation wird empfohlen, eine alternative Begleitmedikation mit einer geringeren CYP3A4/5-Hemmung in Betracht zu ziehen. Falls die Anwendung eines starken CYP3A4/5-Inhibitors erforderlich ist, wird eine Dosisreduktion von Lorlatinib empfohlen.

Auch der neue Kinasehemmer ist ein moderater CYP3A-Induktor. Daher sollte die gleichzeitige Anwendung von Lorlatinib mit CYP3A4/5-Substraten mit enger therapeutischer Breite, unter anderem Ciclosporin, Fentanyl, hormonelle Kontrazeptiva sowie Sirolimus und Tacrolimus vermieden werden, da die Konzentration dieser Arzneimittel durch das neue Krebsmedikament reduziert werden kann.

Tierexperimentelle Studien haben eine embryofetale Toxizität gezeigt. Die Anwendung von Lorlatinib während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. Zudem sollte der neue Arzneistoff während der Stillzeit nicht angewendet werden. Das Stillen sollte während der Behandlung mit Lorlatinib und für eine Dauer von sieben Tagen nach der letzten Dosis unterbrochen werden.

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