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Spätakne

Zwischen Falten und Pickeln

Pickel und Pusteln sind nicht nur ein Problem der Jungen. Zunehmend holen die Hautunreinheiten auch Erwachsene ein, meist Frauen von 25 Jahren und älter. Das Zusammenspiel von Hormonen, bestimmten Lebensmitteln und ungeeigneter Pflege scheint das Hautbild dieser Spätakne zu bestimmen.
Elke Wolf
27.02.2019
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Pickel und Unreinheiten machen zunehmend auch Erwachsenen, vor allem Frauen, zu schaffen. Annähernd jede vierte Frau zwischen 25 und 45 Jahre, die in ihrer Jugend zum Teil, aber nicht zwingend Probleme mit der Haut hatte, soll von der Akne tarda betroffen sein, heißt es vonseiten des Bundesverbands der Deutschen Dermatologen. Während die Unreinheiten in der Pubertät vorwiegend in der T-Zone sitzen, sind im reiferen Alter vornehmlich die Wangen und der Bereich zwischen Mund und Nase betroffen.

Wie in Teenagerjahren scheinen es auch im späteren Alter Hormonumstellungen zu sein, die die Unreinheiten und die Entzündungsröte ins Gesicht treiben. Auch nach dem Absetzen der Pille, nach einer Schwangerschaft oder rund um die Wechseljahre steht den Betroffenen das Ungleichgewicht im Hormonhaushalt ins Gesicht geschrieben. Unbestritten ist dabei seit Langem, dass Androgene, allen voran Testosteron, eine wesentliche Rolle bei der Zunahme des Talgdrüsenvolumens und der erhöhten Talgproduktion spielen. Sowohl eine erhöhte Aktivität des an­drogenen Schlüsselenzyms 5α-Reduktase als auch eine erhöhte Anzahl der Androgenrezeptoren am Haarfollikel bei Akne-Betroffenen in jedem Alter sind belegt.

Was im Körper vor sich geht, kann man sich recht gut im Falle des Absetzens der Antibabypille erklären. Orale Antikontrazeptiva schirmen den Haarfollikel vor männlichen Hormonen ab (antiandrogene Wirkung ), die normalerweise dafür sorgen, dass die Talgdrüsen mehr Talg produzieren und die Poren übermäßig verstopfen. Durch das Absetzen der Pille kommt es zu einem Überschuss an männlichen Hormonen. Darauf kann der Haarfollikel sensibel reagieren und das Hautbild irritieren. Auch Stress scheint das Hormongeschehen nicht unbeeindruckt zu lassen. So weiß man, dass Stress die Androgenproduktion ankurbelt und das Miteinander bestimmter Neuropeptide, also der Zytokine, beeinflussen kann, die wiederum für die Regulierung der Talgdrüsen zuständig sind.

Insulin als Verstärker

Vermehrt diskutiert wird auch der Einfluss der Ernährung auf die Pathogenese der Akne. So sollen vor allem Nahrungsmittel mit einem hohen glykämischen Index sowie insulinotrope Frischmilchprodukte – mit Ausnahme von Käse – die Pickelentstehung befeuern.

Die Theorie, dass verschiedene Lebensmittel wie Schokolade das Akne-Geschehen antreiben, ist nicht neu. Eine breite wissenschaftliche Basis fand sich dafür allerdings nie. Doch seit rund zehn Jahren sind die Anschuldigungen in Richtung spezieller Nahrungsmittel konkreter geworden. So prangern einige Dermatologen und Ernährungsexperten westliche Ernährungsgewohnheiten an, den Akne-Verlauf negativ zu beeinflussen. Ihre Beobachtung: Kohlenhydrate mit hoher glykämischer Last und insulinotrope Milchprodukte potenzieren Hormon¬umstellungen, welche die Talgdrüsen stimulieren. Stress und Nikotin verschlechtern das Hautbild weiter. Diese Ernährungsthese erkläre vor allem die Zunahme der Akne-Betroffenen im Erwachsenenalter in westlichen Industrieländern. In Kulturen mit nicht-westlichem Ernährungsstil, etwa bei den Indianern, wo kaum Monosaccharide in der Nahrung zu finden sind, ist Akne unbekannt.

Milch fördert Unreinheiten

Für diese Zusammenhänge gibt es mittlerweile eine Reihe verlässlicher Studien. Umgekehrt soll eine Ernährungsweise, die zu einer niedrigen gly¬kämischen und damit insulinarmen Gesamtbelastung des Körpers führt, die Hauteffloreszenzen bessern.

Der glykämische Index gibt an, wie stark und schnell der Blutzucker und in der Folge der Insulinspiegel ansteigt. In der Kuhmilch sind es vor allem die Molkeproteine, die in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse bereits nach 30 Minuten die Insulinsekretion ankurbeln. Häufiger Milchkonsum bewirkt außerdem eine vermehrte hepatische Bildung des verwandten Hormons -IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1). Beide, Insulin und IGF-1, sind potente Stimuli für Akne. Fettarme Milch facht dabei durch ihren höheren Gehalt an Molkeproteinen das Akne-Geschehen stärker an als Vollmilch, wie eine aktuelle indische Studie bestätigt.

Die Pathophysiologie, die dahintersteckt: Insulinotrope Nahrungsmittel – Experten schätzen, dass sie derzeit mehr als 50 Prozent der Kalorienaufnahme ausmachen – sind aus metabolischer und dermatologischer Sicht ungünstig. Da Talgdrüsen und Keratinozyten – in der Pubertät von Androgenen ohnehin kräftig stimuliert – über Rezeptoren für Wachstumsfaktoren wie IGF-1 verfügen, werden Talgproduktion und Zellproliferation hochgefahren. Es resultiert eine Dauerstimulation durch die Wachstumssignale von IGF und Insulin. Das führt zu einer metabolischen Dekompensation, was sich klinisch als Akne äußert.

Die dritte Komponente, die das Spätakne-Geschehen ungünstig beeinflusst, ist eine ungeeignete Pflege mit Präparaten, die nicht zum Hauttyp passen. Auch wenn mangelnde Hygiene keine Akne verursacht, so kann die Verwendung ungeeigneter Präparate das Hautbild verschlechtern. So verwenden viele Frauen im Glauben, ihrer Haut Gutes zu tun, reichhaltige Nachtcremes oder Anti-Aging-Zubereitungen. Doch das, was den beginnenden Fältchen und der Trockenheit entgegenwirkt, facht das andere Hautproblem erst recht an. Während ältere Haut nach Lipiden lechzt, sollten sie in Präparaten für Akne-Haut nur sparsam enthalten sein. Ansonsten würden die überbordenden Talgdrüsen nur noch mehr verstopfen.

Auch häufiges Peelen, in der Hoffnung, die Haut zu klären, kann einen Bärendienst erweisen. Denn jeder Peelvorgang putzt Lipide aus der Haut, der körpereigene Säureschutzmantel wird zerstört. Und ist die Haut erst einmal sensibilisiert, reagiert sie verstärkt auf Konservierungs-, Farb-und Duftstoffe.

Richtig pflegen

Die richtige Hautpflege ist das A und O im Kampf gegen Pickel. Die Schwierigkeit: Zubereitungen mit der Zweckbestimmung »bei zu Akne neigender Haut« oder »bei unreiner Haut« sind für die reifere Haut meist zu aggressiv. Reichhaltigere Pflege behindert hingegen den Talgabfluss und treibt damit die Entwicklung von Akneknötchen nur noch mehr voran.

Eine sanfte Reinigung holt nur wenig Talgdrüsenlipide, dafür aber Schmutz und Zellrückstände von der Haut, welche für die Vermehrung Akne-assoziierter Bakterien wie Propioni- und Coryne-Bakterien sowie Staphylokokken relevant sind. Zu empfehlen sind seifenfreie Syndets mit einem pH-Wert von 5,5, Lotionen mit Thermalwasser oder eine Reinigungsmilch mit beruhigenden Zusätzen wie Bisabolol, Panthenol oder Hamamelis. Zu stark entfettende Reinigungsmaßnahmen, etwa mit alkoholhaltigen Gesichtswässern, sind nicht angezeigt, da sie eine reaktive Nachproduktion von Talg initiieren könnten. Wer verstopften Poren vorbeugen will, arbeitet am besten mit enzymatischen Peelings, und das nur einmal pro Woche.

Zur Hautpflege reichen die hydrophilen Formulierungen, wie man sie Jugendlichen empfiehlt, nicht aus. Für die reifere Haut müssen reichlich Lipide enthalten sein. Ceramide, Lipidvorläufer wie Milchsäure, Serin oder α-Liponsäure stärken die Hautbarriere. Wichtig ist, keine Kosmetika mit komedogenen Inhaltsstoffen zu empfehlen. Dazu gehören etwa Paraffin, Vaseline, Cetylalkohol, Erdnussöl, Lanolin, Kakaobutter und Polyethylenglykol. Auch pflanzliche Öle können das Komedonen-Wachstum fördern. Dazu zählen etwa Olivenöl, Erdnussöl, Sesam- und Kokosöl. Süßes Mandelöl hat dagegen keine komedogene Potenz.

Betroffene sollten dagegen auf eine komedolytische Komponente in der Inhaltsstoffliste achten. Diese ist etwa für Fruchtsäuren, Glykolsäure, Milch- sowie Salicylsäure nachgewiesen. Die Präparate sollten dem physiologischen pH-Wert der Haut angepasst und frei von ionischen Stabilisatoren/Emulgatoren sein. Innovative Galenik, wie Liposomen oder Mizellen, können die Effektivität solcher Formulierungen wesentlich verbessern. Sind die Hauteffloreszenzen auf diese Weise nicht in den Griff zu bekommen oder sind sie stark entzündet, sollte die Kundin an den Dermatologen verwiesen werden. 

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