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Den Gelenken zuliebe

Zwischendurch immer wieder dehnen

Die Corona-Pandemie geht in den zweiten Winter. Ob durch Homeoffice oder Kontaktbeschränkungen: Der dadurch bei vielen Menschen vorherrschend sitzende Lebensstil schadet zunehmend dem Bewegungsapparat.
Christiane Berg
05.01.2022  12:00 Uhr
Zwischendurch immer wieder dehnen

Durch stundenlanges Verharren in der Sitzposition verspannen und verkürzen sich die beteiligten Muskeln, Sehnen und Faszien. Es kommt zu Kontrakturen, Bewegungs- und Funktionseinschränkungen unter anderem der Hüft- und Kniegelenke, was wiederum zu weiteren Fehlhaltungen und Fehlbelastungen führt.

Nicht nur das: Wird der Gelenkknorpel in normalen Zeiten bei körperlicher Aktivität mit nährender Gelenkflüssigkeit versorgt, so »hungert« er jetzt quasi aus, warnt Professor Karl-Dieter Heller, Präsident der AE-Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik, in einem aktuellen Statement der führenden Vereinigung für Orthopäden, Unfallchirurgen und Wissenschaftler, die sich mit Fragen er Endoprothetik und generell gelenkerhaltenden Behandlungsverfahren beschäftigen.

Heller betont, dass die mehr und mehr in der Bevölkerung zu beobachtende Gewichtszunahme diese negativen Effekte verstärkt. Mit Blick auf die Pathogenese von Fehlbildungen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates spricht er von einem »Teufelskreis«, der schließlich zur Gelenkarthrose bis hin zur Notwendigkeit des Gelenkersatzes führen kann.

Abwechslung in den Alltag einbauen

Dies könne jedoch durch entsprechende Gegenmaßnahmen durchbrochen werden. Dabei gehe es nicht etwa darum, Ausgleich durch exzessive körperliche Aktivitäten zu suchen, den perfekten Stuhl zu finden oder etwa die ganze Zeit zu stehen. Im Gegenteil: Jede zu lang eingenommene Position oder übertriebene Aktion sei kontraproduktiv. Vielmehr seien regelmäßige körperliche Abwechslungen wichtig.

»Wir sollten jede kleine Unterbrechung im sitzenden Alltag für Dehn- und Kräftigungseinheiten nutzen. Während das Teewasser kocht, kann etwa der große Beugemuskel in der Hüfte durch einen Ausfallschritt nach vorn beansprucht werden – jeweils 30 Sekunden pro Seite, drei Wiederholungen«, so lautet eine Empfehlung von Heller. Zudem seien Sitzgelegenheiten und -positionen häufig zu variieren sowie grundsätzlich kleine Bewegungseinheiten gezielt in den Alltag zu integrieren.

Ob normaler Büroalltag oder Homeoffice, ob gesunde oder schon angegriffene Gelenke: »Wir dürfen das Dauer-Sitzen nicht zur Gewohnheit werden lassen«, betont Professor Carsten Perka, Generalsekretär der AE. »Wir sind nicht für ein eingesperrtes Leben wie im Zoo gemacht.«

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